Sven Plöger, Zieht Euch warm an, es wird heiß! Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von morgen lernen (2020)

Es gibt viele relevante Themen, über die Bücher geschrieben werden. Kaum ein Thema ist jedoch von so universeller Wichtigkeit wie der Klimawandel. Angesichts der extremen Hitzesommer vor allem seit dem Beginn dieses Jahrtausends, der Dürreperioden in großen Teilen der Welt und der Extremerscheinungen wie Fluten oder Waldbrände werden viele schnell emotional, was durchaus nachvollziehbar ist. Nicht so Deutschlands bekanntester Meteorologe Sven Plöger, der sich hier vornimmt, nicht zu missionieren, sondern das komplexe Thema Klima für seine Leser zu "übersetzen".

Plöger beginnt mit der Unterscheidung zwischen Wetter und Klima, bevor er den Leser mit akademischen und gesellschaftspolitischen Betrachtungen für den Blick aufs große Ganze ausrüstet. Wenn er beispielsweise darlegt, dass Kapstadt mittlerweile durch den dortigen Regenmangel schlicht am falschen Ort liegt, ist er sehr klar und nachvollziehbar. Es gelingt ihm etwas, das viele Experten nicht können: Auf der Basis seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Wetter und Klima bricht er vielschichtige Zusammenhänge so herunter, dass der interessierte Laie sie versteht. Dabei geht es hier nicht um eine Aneinanderreihung trockener Erläuterungen zu einem physikalisch hochkomplexen Prozess, sondern die 300 Seiten lesen sich schnell, sind verständlich und haben sogar einen gewissen Unterhaltungswert,

Man kann den Klimawandel nicht bearbeiten, ohne politische oder zumindest gesellschaftliche Äußerungen zu tätigen. Das Buch basiert auf den Grundüberzeugungen, dass der Klimawandel erstens existiert und zweitens maßgeblich vom Menschen verursacht wird. Wer dies nicht wahrhaben will und sich auch der Erkenntnis verschließt, dass der CO2-Ausstoß dabei eine gewaltige Rolle spielt, wird mit Plögers Buch nicht glücklich werden, wohl aber diese Zeilen ohnehin nicht lesen. Denn der Autor zeigt die fast allgemein mangelnde Bildung in Physik sowie ein weitverbreitetes Wegschauen in diesem Bereich auf und fasst zusammen, dass mit Freiwilligkeit hier nichts zu erreichen ist. Seine Erklärungen zu Wäldern, Mooren, Meeren, Ernährung, Strom- und Plastikverbrauch zeigen nicht nur, wie stark der Mensch in Kreisläufe eingreift, sondern auch, dass er durchaus noch das Ruder herumreißen kann.

Es ist ein konstruktives Buch, das dem Leser in vielen Punkten Handlungsoptionen aufzeigt. Ich kann es auch wegen des Nachworts von Eckart von Hirschhausen zum bislang kaum beleuchteten Zusammenhang zwischen Klima und Gesundheit nur jedem dringend empfehlen. Am 5. Mai 2023 erscheint übrigens eine Neuausgabe mit dem Untertitel "Es wird NOCH heißer" und hierin werden auch die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 sowie das Hitze- und Dürrejahr 2022 bearbeitet. 

 

(03.02.2023)