Manche Bücher starten mit viel Schwung und verlieren dann an Fahrt. In diese Kategorie fällt aus meiner Sicht der schnell als Serie verfilmte Bestseller "Eine Frage der Chemie". Ich hatte ausschließlich Gutes gehört und hohe Erwartungen, als ich mich an die Lektüre machte. Nach einem interessanten Beginn fühlte ich mich jedoch bald von dieser hochgradig konstruierten und recht kitschigen Geschichte irritiert.
Es geht um eine Wissenschaftlerin, die nicht zu beruflichem Erfolg kommt, weil ihr immer Männer im Weg stehen, die ihr in den frühen sechziger Jahren in den USA nichts zutrauen. Große Teile des Wissenschaftsbetriebs hatten damals offenbar keinen Sinn für begabte und selbstbewusste Frauen. Elizabeth Zott, die Heldin des recht umfangreichen Romans, erlebt jedenfalls alle möglichen Spielarten von Geschlechterdiskriminierung. Erst ihre große Liebe, ein anerkannter und erfolgreicher Chemiker, schätzt sie als Partnerin auf Augenhöhe und die beiden beginnen eine glückliche Beziehung, aus der schließlich ein uneheliches, hochbegabtes Kind hervorgeht. Dass Elizabeth in der damaligen Zeit unverheiratet ein Kind großzieht, macht sie noch ungewöhnlicher und zur Zielscheibe von Kritik von allen Seiten.
So weit, so gut. Es folgt eine Geschichte, die nach meinem Empfinden so unglaubwürdig ist und sich in diversen Handlungssträngen verheddert, dass ich das Buch mehrfach weglegen wollte. Es tritt neben einem naseweisen Wunderkind ein Hund auf, der immerhin fast 700 Wörter versteht, und die Heldin wird durch Zufall für das Fernsehen entdeckt, da sie neben Chemie auch noch Kochen meisterlich beherrscht und man glauben soll, dass sie die Nation durch ihre Botschaft "Kochen ist Chemie" begeistert und nebenbei auch noch das Bild der Frau verändert.
Meines Erachtens will die Autorin zu viel auf einmal, so dass ich mich gefragt habe, ob es eigentlich um die Rolle der Frau, Naturwissenschaften versus Religion, Rudern, Hochbegabung, Überwindung schwieriger Kindheitserinnerungen oder... gehen soll. Zugegebenermaßen haben sehr viele Leser das ganz anders wahrgenommen.
(17.05.2024)