Der amerikanische Schriftsteller Daniel Keyes hat hauptsächlich Science-Fiction geschrieben und sein berühmtestes Werk ist Blumen für Algernon. Als Vorläufer des Romans erschien bereits 1959 eine Kurzgeschichte unter diesem Titel. Das Werk ist also recht alt, hat aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt, denn es geht um ganz elementare Fragen wie die nach ethischen Grenzen für die Forschung, dem Umgang mit kranken Menschen und dem Ursprung von Lebensglück.

In einem Labor wird die Maus Algernon operiert, um ihre Intelligenz zu steigern. Bald schneidet sie in vielen Tests tatsächlich besser ab. Mehrere Wissenschaftler suchen daher eine geeignete Person, um an ihr die Übertragbarkeit dieses Erfolgs auf den Menschen zu testen. Sie stoßen dabei auf Charlie Gordon, der mit einem IQ von 68 einer einfachen Tätigkeit nachgeht, in der er sehr zufrieden ist.

Charlie lernt nach seiner Operation schnell und wird bald zum Genie. Gleichzeitig wird ihm immer klarer, dass er vorher vieles falsch interpretiert hat: Seine Kollegen sind nicht tatsächlich seine Freunde, sondern haben ihn bisher fortwährend ausgelacht. Seine Eltern haben sich seinetwegen getrennt, seine Schwester ihn gehasst. Während er zum Genie wird, in Windeseile Sprachen lernt und halbe Bibliotheken liest, fällt die Maus Algernon in ihrer Entwicklung zurück, reagiert immer langsamer und wird schwächer. Steht Charlie ein ähnliches Schicksal bevor?

Dieses Buch wird weltweit viel in Schulen gelesen und diente nicht umsonst als Grundlage für Verfilmungen, Hörspiele und Theaterstücke. Es zeigt, dass ein Mensch, der sich intellektuell stark weiterentwickelt, nicht unbedingt glücklicher werden und mit seiner Umwelt besser interagieren muss.

Ich empfehle dieses Buch, das ich verschlungen habe, obwohl ich normalerweise sehr wenig Science-Fiction lese, um sich sowohl mit Ethik in der Wissenschaft als auch mit dem Umgang mit geistig eingeschränkten Menschen zu beschäftigen. Der Roman ist zudem sprachlich ausgesprochen interessant, da er in Form von Berichten von Charlie geschrieben ist und sich seine intellektuelle Entwicklung in der Sprache widerspiegelt.

(05.06.2020)