Die Ferienzeit beginnt. Dieses Jahr werden viele von uns im eigenen Land oder in Nachbarländer reisen. Daher wende ich mich mit meiner Buchempfehlung heute Dänemark zu und der Frage nach dem Glück. 

Die britische Journalistin Helen Russell arbeitete für eine Frauenzeitschrift in London, bevor sie ihren Mann auf einen Auslandsaufenthalt ins ländliche Dänemark begleitete und dort begann, ihre Erlebnisse und Erkenntnisse in der Heimat der glücklichsten Menschen der Welt in diesem Buch zu beschreiben.

Helen ist 33 und auf einer Position in einem sehr bekannten Magazin, um die sie viele beneiden würden. Sie lebt kinderlos und vielbeschäftigt in London, als ihrem Mann ganz unerwartet eine Tätigkeit für ein Jahr bei Lego in Dänemark angeboten wird. Während ihr Mann sofort Feuer und Flamme ist, beginnt sie als gelernte Journalistin erst einmal, gründlich zu recherchieren. Sie stößt auf den „UN World Happiness Report“, nach dem die Dänen das glücklichste Volk der Welt sind, und das schon seit 40 Jahren. Daraufhin beschließt das Paar, nach Dänemark aufzubrechen.

Ihr Mann nimmt das Stellenangebot bei Lego an und sie plant, freiberuflich für britische Medien aus Dänemark zu berichten. So ziehen sie nach Billund, einen kleinen Ort in Jütland, und kommen dort ausgerechnet im eiskalten, verschneiten Januar an. Helen beginnt mit ihrem „happiness project“, wie sie ihren Versuch nennt, dem Glücksgefühl der Dänen auf den Grund zu gehen. Sie hat zunächst einige Schwierigkeiten, allein auf dem Lande die Tage zu verleben, während ihr Mann arbeitet. Sie beginnt, systematisch Gespräche zu führen und nach und nach immer mehr über Dänemark und die Menschen dort zu lernen. Auch das bekannte Lebens- und Wohngefühl „hygge“ beschäftigt sie. Langsam geht es ihr immer besser, bis sie gegen Ende des Jahres viel von dem, was zum Glück gehört, am eigenen Leib erlebt und sich mit ihrem Mann die Frage stellen muss, ob sie ihren Aufenthalt verlängern wollen.

Ich empfehle dieses sehr humorvolle Buch Lesern, die den Eindruck haben, sich in einem Hamsterrad zu befinden, zwar viel von dem erreicht haben, was sie ursprünglich einmal wollten, aber dennoch nicht zufrieden mit ihrem Leben sind. Auf der einen Seite finden sie hier praktische Hinweise aus Bereichen wie Einrichtung, Kunst und Ernährung. Auf der anderen Seite kommen sie ins Grübeln über fundamentale Themen wie Lebenssinn, Freiheit und Gleichberechtigung. Im dänischen Jahr wird nicht nur Helen mit Grundsatzfragen konfrontiert, die jeder für sich selbst beantworten muss.

(04.07.2020)