Ich tausche mich gerne über Bücher aus, empfehle Titel und nehme Empfehlungen anderer auf. Als ich vor Jahren mit meiner Arbeit zur Lese-Rechtschreibschwäche begann, entstand gleichzeitig mein Bücherblog „Das Freitagsbuch“. In loser Folge stelle ich seitdem an Freitagen hier ein Buch vor: einen Roman oder ein Fachbuch für Erwachsene und ab und zu auch für junge Leser. Ich biete eine große Bandbreite an und folge dabei meinem persönlichen Bewertungssystem von "6 Bücher" für "einfach wunderbar" bis zu "1 Buch" für "lieber etwas anderes lesen".
Siri Hustvedt, Der Sommer ohne Männer/The Summer Without Men (2011)
Nach einem Zusammenbruch findet eine New Yorkerin bei ihrer alten Mutter auf dem Land Themen wieder, die sie aus ihrer eigenen Biografie kennt
Nach der starken Hitze der letzten Wochen in Teilen Europas liegt ein Sommerroman nahe, der in einem ähnlichem Klima spielt. Es handelt sich um ein Buch der US-amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt. Sie ist sehr produktiv und in über dreißig Sprachen übersetzt worden. Dieses Buch ist einer ihrer bisher sechs Romane.
Es geht um die New Yorker Lyrikerin Mia, die plötzlich von ihrem Mann Boris verlassen wird, der nach 30 Ehejahren eine „Pause“ braucht.
Christine Nöstlinger, Die feuerrote Friederike (1970)
Friederike findet ihren Weg auf fantasievolle Weise
Obwohl auch die Buchbranche in diesem besonderen Jahr zu kämpfen hat, hat der Bereich der Kinder- und Jugendbücher im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzwachstum von 3,6 Prozent erzielt. Grund genug, sich heute hier einmal einem Jugendbuch zuzuwenden. Ich verabschiede mich hiermit in meinen Sommerurlaub und melde mich Mitte August wieder, dann mit einem Sommerroman.
Die erst 2018 verstorbene österreichische Kinder- und Jugendautorin Christine Nöstlinger hat über 100 Bücher geschrieben und beispielsweise mit ihren „Geschichten vom Franz“ vielen Kindern – und Eltern – Vergnügen bereitet. In ihrem allerersten Kinderbuch ging es jedoch um ein wenig erheiterndes, aber ungebrochen aktuelles Thema – Mobbing.
Friederike hat keine Eltern und lebt mit ihrer Tante Annatante und der Katze Kater. Aufgrund seiner feuerroten Haare wird das dicke Mädchen immer wieder von Kindern gehänselt. Sein einziger Freund ist der farbenblinde Briefträger Bruno.
Helen Russell, Hygg Hygg Hurrah: Glücklich wie die Dänen/The Year of Living Danishly: Uncovering the Secrets oft he World’s Happiest Country (2015)
Was macht die Dänen zur glücklichsten Nation? Auf der Suche nach dem Glück
Die Ferienzeit beginnt. Dieses Jahr werden viele von uns im eigenen Land oder in Nachbarländer reisen. Daher wende ich mich mit meiner Buchempfehlung heute Dänemark zu und der Frage nach dem Glück.
Die britische Journalistin Helen Russell arbeitete für eine Frauenzeitschrift in London, bevor sie ihren Mann auf einen Auslandsaufenthalt ins ländliche Dänemark begleitete und dort begann, ihre Erlebnisse und Erkenntnisse in der Heimat der glücklichsten Menschen der Welt in diesem Buch zu beschreiben.
Helen ist 33 und auf einer Position in einem sehr bekannten Magazin, um die sie viele beneiden würden. Sie lebt kinderlos und vielbeschäftigt in London, als ihrem Mann ganz unerwartet eine Tätigkeit für ein Jahr bei Lego in Dänemark angeboten wird. Während ihr Mann sofort Feuer und Flamme ist, beginnt sie als gelernte Journalistin erst einmal, gründlich zu recherchieren. Sie stößt auf den „UN World Happiness Report“, nach dem die Dänen das glücklichste Volk der Welt sind, und das schon seit 40 Jahren. Daraufhin beschließt das Paar, nach Dänemark aufzubrechen.
Alan Bennett, Die souveräne Leserin/The Uncommon Reader (2007)
Lesen verändert - selbst die Queen
Wir werden derzeit mit vielen schlechten Nachrichten und großer Unsicherheit konfrontiert. Deshalb habe ich hier bewusst einen Titel ausgewählt, der heiter und erfreulich, dabei aber keineswegs platt ist. Viel Vergnügen auf diesem literarischen Ausflug nach London!
Alan Bennett hat viel für Radio und TV gearbeitet, seit den 90er Jahren aber auch Prosa geschrieben, darunter diesen kleinen Band.
Auf einem Spaziergang zeigen ihre Hunde der Queen den Weg zu einem Bücherbus, der wöchentlich ganz in der Nähe des Palastes hält. Sie ist überrascht und leiht sich einen Roman aus. Pflichtbewusst und diszipliniert liest sie das Buch durch und bringt es zurück. Sie leiht sich ein weiteres Buch aus und trifft dabei auf den Küchenjungen Norman, der sich regelmäßig dort Lektüre besorgt. Die Queen findet immer mehr Freude am Lesen, befördert Norman, mit dem sie ihr neues Hobby Lesen teilt, zu ihrem literarischen Assistenten und lässt sich von ihm Bücher empfehlen.
Daniel Keyes, Blumen für Algernon/Flowers for Algernon (1966)
Gibt es Grenzen für Entwicklung?
Der amerikanische Schriftsteller Daniel Keyes hat hauptsächlich Science-Fiction geschrieben und sein berühmtestes Werk ist Blumen für Algernon. Als Vorläufer des Romans erschien bereits 1959 eine Kurzgeschichte unter diesem Titel. Das Werk ist also recht alt, hat aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt, denn es geht um ganz elementare Fragen wie die nach ethischen Grenzen für die Forschung, dem Umgang mit kranken Menschen und dem Ursprung von Lebensglück.
In einem Labor wird die Maus Algernon operiert, um ihre Intelligenz zu steigern. Bald schneidet sie in vielen Tests tatsächlich besser ab. Mehrere Wissenschaftler suchen daher eine geeignete Person, um an ihr die Übertragbarkeit dieses Erfolgs auf den Menschen zu testen. Sie stoßen dabei auf Charlie Gordon, der mit einem IQ von 68 einer einfachen Tätigkeit nachgeht, in der er sehr zufrieden ist.