Ich tausche mich gerne über Bücher aus, empfehle Titel und nehme Empfehlungen anderer auf. Als ich vor Jahren mit meiner Arbeit zur Lese-Rechtschreibschwäche begann, entstand gleichzeitig mein Bücherblog „Das Freitagsbuch“. In loser Folge stelle ich seitdem an Freitagen hier ein Buch vor: einen Roman oder ein Fachbuch für Erwachsene und ab und zu auch für junge Leser. Ich biete eine große Bandbreite an und folge dabei meinem persönlichen Bewertungssystem von "6 Bücher" für "einfach wunderbar" bis zu "1 Buch" für "lieber etwas anderes lesen".
Siegfried Unseld , Hundert Briefe – Mitteilungen eines Verlegers 1947 – 2002, hg. U. Anders/J. Bürger
50.000 Briefe!
Wie Kommunikation misslingt, erleben wir derzeit ständig auf der großen Bühne. Wenden wir unseren Blick lieber auf jemanden, der ganz groß, ganz umfassend, ganz sorgfältig und vor allem ganz viel kommuniziert hat: Siegfried Unseld. Wer sich von der Frankfurter Bürgerstiftung durch die Ausstellung zum 100. Geburtstag des großen Verlegers führen lässt, steht sprachlos davor, wie ein einziger Mensch so intensiv mit so vielen Zeitgenossen weltweit im Austausch stehen konnte. Und das per Brief. Aber zurück zum Anfang.
David van Reybrouck, Gegen Wahlen: Warum Abstimmen nicht demokratisch ist (2013)
Mit, ohne oder statt Wahlen?
Wer derzeit auf deutschen Straßen unterwegs ist, sieht sie überall, die zum Teil riesigen Wahlplakate, mit denen die Parteien um die Gunst der Wähler buhlen. Die meisten von ihnen sind inhaltsarm oder sogar -los und man fragt sich, was diese großflächigen Aushänge eigentlich bringen sollen. Die ständigen Interviews der Spitzenpolitiker in den Medien sind genauso wenig erhellend wie die Wahlkampfspots der Parteien. Manche versuchen es mit Humor, manche mit nur einem Wort, wieder andere fokussieren sich auf einen Gegner. Wer echte Inhalte sucht, muss – wie immer – zu den Parteiprogrammen greifen und findet dort das ganz große Wunschkonzert: gewaltige Versprechungen, völlig unrealistische Verteilungsideen und vor allem astronomische Summen, die in den nächsten Jahren ausgegeben werden sollen. Wenn das alles das ist, wozu Wahlen in einer Demokratie angesichts stetig abnehmender Wahlbeteiligung fähig sind, scheint mir die Frage nach Alternativen zu Wahlen legitim. So kam ich zu diesem Buch.
Astrid Göpfrich, Herr Fliegenbein und die Suche nach der Stille (2019)
Der weite Weg zu sich selbst
Gerade zur Jahreswende suchen viele Menschen nach Ruhe, hoffen auf die „stille Nacht“ und ein paar friedliche Tage. Da schien mir dieser Roman eine passende Lektüre, zumal mich der Name des Protagonisten sofort an sympathische Figuren aus Kinderbüchern erinnerte. Und tatsächlich ist der Gedanke an eine märchenhafte Geschichte für Erwachsene hier gar nicht so abwegig.
Stephan Schröder, 25 letzte Sommer (2024)
Wichtige Fragen in ganz leicht verdaulichen Häppchen
Über manche Bucherfolge kann ich mich nur wundern. Dieser Kurzroman eines ehemaligen Topmanagers gehört ganz bestimmt dazu. Innerhalb weniger Stunden wird hier einem rastlosen Geschäftsmann durch das Gespräch mit einem Kartoffelbauern klar, dass er sein Leben verändern muss, um ihm mehr Tiefe zu geben und seiner Familie wieder näher zu sein. Das Ganze spielt in einer herrlichen Gegend auf dem Lande an strahlenden Sommertagen,
Sally Rooney, Normale Menschen/Normal People (2018)
Und das soll normal sein?
Wer dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse war, konnte sich darüber wundern, dass der Jugendsparte „Young Adult“ viel Raum gewidmet wurde für Bücher, in denen auf – sagen wir –leicht verständlichem Niveau Liebes- und Lebensgeschichten mit bunten Umschlägen geboten werden. Noch mehr wundern kann sich, wer einen der ebenfalls vor allem an junge Leute gerichteten Romane der hochgefragten irischen Autorin Sally Rooney liest. Ihre Bücher sind echte „Reißer“, die - ähnlich wie die Harry-Potter-Bände damals – von Fans heiß ersehnt und den Buchhändlern nahezu aus den Händen gerissen werden. Wer das im Hinterkopf hat, staunt nicht schlecht, wenn er eines ihrer Werke liest, denn offenbar hat sich die Definition von spannendem Lesestoff über die Jahre deutlich verändert.