Ich binde in mein Coachingangebot immer Leseempfehlungen ein und wende mich daher besonders an Menschen, die gerne lesen. An jedem zweiten Freitag stelle ich in meinem Blog ein Buch vor. Das „Freitagsbuch“ kann ein Roman oder ein Fachbuch sein. Alle Bücher verbindet etwas: Sie drehen sich um Themen, die Menschen in Umbruchsituationen beschäftigen.

Bücher wirken inspirierend und die Leser nehmen etwas mit von den beschriebenen Verhaltensweisen, indem sie Ideen aufgreifen oder Fehler vermeiden. Da Literatur immer individuell wirkt, fühlt sich der Leser nicht von jedem Titel gleich stark angesprochen. Ich biete hier eine Auswahl meiner Lektüre an und hoffe, dass dadurch möglichst viele Leser ihre eigene Situation überdenken und in Ansätzen klären. Zudem wünsche ich den Lesern viel Vergnügen mit meiner Auswahl und immer wieder die beruhigende Erkenntnis, dass sie nicht allein dastehen mit ihren Problemen. 

Ich folge meinem persönlichen Bewertungssystem: 

  • 6 Bücher = einfach wunderbar
  • 5 Bücher = unbedingt lesenswert für eine bestimmte Lesergruppe
  • 4 Bücher = interessant für eine bestimmte Lesergruppe
  • 3 Bücher = nischig, nur für eine bestimmte Lesergruppe
  • 2 Bücher = unterhaltsam, aber nicht mehr
  • 1 Buch = lieber etwas anderes lesen

Anne Reinecke, Leinsee (2018)

Wir leben in einer Zeit ständiger schlechter Nachrichten und so habe ich mich heute dazu entschieden, hier etwas bewusst Positives vorzustellen. Zudem erfreut mich eine Zahl, die im Rahmen der Frankfurter „Buchmesse“ fiel, wenn man diese Veranstaltung so nennen kann. Hatte das Minus des Buchhandels und der Verlage direkt nach dem Lockdown noch bei 15% gelegen, so sind es jetzt nur noch 4,3 % im Verhältnis zum Vorjahreszeitraum. Ein Grund mehr, sich an der  Literatur zu erfreuen, und hier kommt mein heutiger Beitrag dazu.

Der junge Künstler Karl ist früh bekannt geworden und hat bereits große Erfolge gefeiert. Dabei hat er bewusst seine Herkunft verschwiegen: Seine Eltern sind das exzentrische Künstlerpaar August und Ada Stiegenhauer. Vater und Mutter waren immer so auf sich und ihre Kunst fixiert, dass für Karl kein Platz war und er in Internate abgeschoben wurde. Sein Verhältnis zu seinen Eltern ist entsprechend schlecht und er sieht sie kaum noch. 

Rüdiger Safranski, Hölderlin: Komm! ins Offene, Freund! – Biographie (2019)

Ich nehme den 250. Geburtstag Friedrich Hölderlins hier zum Anlass, eine aktuelle Biographie zu diesem großen deutschen Klassiker vorzustellen. Hölderlin war Einzelgänger und lange recht unbekannt. Er wurde erst spät entdeckt und angemessen gewürdigt. Der deutsche Philosoph, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Rüdiger Safranski hat in der Vergangenheit bereits viel beachtete Werke zu anderen großen Dichtern vorgelegt. 2019 erschien dieses Buch rechtzeitig zum Jubiläumsjahr.

Safranski beginnt seine Darstellung ganz klassisch mit der Herkunft des Dichters: Hölderlin entstammte der schwäbischen „Ehrbarkeit“, dem gehobenen Mittelstand, aus dem die evangelische Landeskirche ihren Nachwuchs rekrutierte. So lag es nahe, dass Hölderlins Mutter, selbst Pfarrerstochter, für ihn das Theologiestudium als den logischen nächsten Schritt nach Latein- und Klosterschule vorsah. Im Tübinger Stift lernte Hölderlin Hegel und Schelling kennen, eine für alle drei entscheidende Begegnung. Nach dem Studium ging Hölderlin den vorgeschriebenen Weg dann nicht weiter, sondern nahm eine erste Stelle als Hauslehrer an.

Julian Barnes , Vom Ende einer Geschichte/Sense of an Ending (2011)

Der englische Schriftsteller Julian Barnes erhielt mehrere Preise für diesen kurzen Roman in zwei Teilen, der bereits verfilmt wurde. Zunächst berichtet der Ich-Erzähler Tony Webster von seiner Schulzeit mit seinen Freunden Alex und Colin, zu denen der frühreife Adrian hinzustößt. Die Jugendlichen stellen den klassischen Lernstoff in Frage und geben allerlei kluge Kommentare von sich. Die Freunde stehen sich über Jahre sehr nahe, leben sich nach der Schule jedoch auseinander. Adrian erhält ein Stipendium für Cambridge und Tony studiert in Bristol Geschichte, wo er seine Freundin Veronica kennenlernt. Sie ist so schwer durchschaubar wie kapriziös und ein bei ihren Eltern verbrachtes Wochenende wird Tony immer in Erinnerung bleiben.

Marion Poschmann, Die Kieferninseln (2017)

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020 liegt seit einigen Tagen vor. Da liegt es nahe, sich auch mit Nominierten vergangener Jahre zu beschäftigen. Das führte mich zu Marion Poschmann. Sie erhielt schon früh zahlreiche Preise und Stipendien und mit ihrem Roman „Die Kieferninseln“ landete sie 2017 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. 2019 erhielt sie für diesen Titel den Man Booker International Prize. In der Tat wird beim Lesen schnell klar, dass es sich hier um ein ungewöhnliches Werk handelt.

Der Privatdozent und Bartforscher Gilbert Silvester träumt eines Nachts, dass seine Frau ihn betrügt. Darauf fährt er Hals über Kopf zum Flughafen und bucht den frühesten Interkontinentalflug, der ihm angeboten wird. Kaum ist er in Tokyo gelandet, hindert er den jungen Japaner Yosa Tamagotchi daran, sich aus Prüfungsangst vor einen Zug zu werfen.

Siri Hustvedt, Der Sommer ohne Männer/The Summer Without Men (2011)

Nach der starken Hitze der letzten Wochen in Teilen Europas liegt ein Sommerroman nahe, der in einem ähnlichem Klima spielt. Es handelt sich um ein Buch der US-amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt. Sie ist sehr produktiv und in über dreißig Sprachen übersetzt worden. Dieses Buch ist einer ihrer bisher sechs Romane.

Es geht um die New Yorker Lyrikerin Mia, die plötzlich von ihrem Mann Boris verlassen wird, der nach 30 Ehejahren eine „Pause“ braucht.