Ich binde in mein Coachingangebot immer Leseempfehlungen ein und wende mich daher besonders an Menschen, die gerne lesen. An jedem zweiten Freitag stelle ich in meinem Blog ein Buch vor. Das „Freitagsbuch“ kann ein Roman oder ein Fachbuch sein. Alle Bücher verbindet etwas: Sie drehen sich um Themen, die Menschen in Umbruchsituationen beschäftigen.

Bücher wirken inspirierend und die Leser nehmen etwas mit von den beschriebenen Verhaltensweisen, indem sie Ideen aufgreifen oder Fehler vermeiden. Da Literatur immer individuell wirkt, fühlt sich der Leser nicht von jedem Titel gleich stark angesprochen. Ich biete hier eine Auswahl meiner Lektüre an und hoffe, dass dadurch möglichst viele Leser ihre eigene Situation überdenken und in Ansätzen klären. Zudem wünsche ich den Lesern viel Vergnügen mit meiner Auswahl und immer wieder die beruhigende Erkenntnis, dass sie nicht allein dastehen mit ihren Problemen. 

Ich folge meinem persönlichen Bewertungssystem: 

  • 6 Bücher = einfach wunderbar
  • 5 Bücher = unbedingt lesenswert für eine bestimmte Lesergruppe
  • 4 Bücher = interessant für eine bestimmte Lesergruppe
  • 3 Bücher = nischig, nur für eine bestimmte Lesergruppe
  • 2 Bücher = unterhaltsam, aber nicht mehr
  • 1 Buch = lieber etwas anderes lesen

Gusel Jachina, Wolgakinder (2018)

Seit Wochen leben wir auf Abstand, manche Mitglieder der Risikogruppen sogar ganz isoliert. Was liegt da näher als ein Roman, dessen Hauptfigur über weite Strecken auf sich gestellt und von der Gesellschaft abgeschnitten ist, und zu schauen, wie sie damit umgeht?

Nach ihrem Überraschungserfolg von 2015 Suleika öffnet die Augen nimmt sich die russische Autorin und Filmemacherin Gusel Jachina in ihrem zweiten Roman ebenfalls ein geschichtliches Thema in einer entlegenen Gegend vor. Was für ein gewaltiges Werk: Fast 600 Seiten aus dem Leben eines Dorfschullehrers an der Wolga ab 1916. Da kann man schon jedes Zeitgefühl verlieren und es damit dem Protagonisten Jakob Bach gleichtun. Am liebsten würde er mit seiner Klara ein vollkommen zurückgezogenes Leben führen, aber die Wirklichkeit und der Wandel des Landes mit Revolution und Gründung der Deutschen Republik an der Wolga holen ihn immer wieder ein.

Meike Winnemuth, Das große Los (2015)

Ich komme zurück auf Meike Winnemuth, von der ich schon vor einiger Zeit einen Titel besprochen habe (s. Bin im Garten) und stelle hier ihr bislang bekanntestes Buch vor. In dieser besonderen Zeit, in der wir alle nicht reisen können und sollen, können wir zumindest gedanklich auf Reisen gehen oder über Reisen lesen. Wenn wir ein Jahr Zeit hätten und 12 Städte besuchen könnten, wohin würde es dann gehen und in welcher Reihenfolge? Was würden wir uns von unserer Auswahl versprechen? Was würden wir einpacken und was zurücklassen? Die Gedanken sind frei.

Meike Winnemuth erzählt von ihrem Gewinn bei Günther Jauch. Dort errät sie sich 500 000 € und nimmt diesen Gewinn zum Anlass, um ein Jahr auszusteigen und 12 Städte je einen Monat lang zu bewohnen.

Colson Whitehead, Die Nickel Boys (2019)

Nach dem enormen Erfolg von “Underground Railroad” wurde Colson Whiteheads neuer Roman von vielen ungeduldig erwartet. Das Warten hat sich gelohnt, denn diese Mischung aus Reportage und Roman lässt wohl niemanden kalt, der weiß, dass das Buch über eine sogenannte „Besserungsanstalt“ für Jugendliche in Florida in den sechziger Jahren auf einer wahren Geschichte beruht. Dort, wo früher einmal eine Jugendstrafanstalt stand, sollte vor Jahren ein Neubau entstehen.

Meike Winnemuth, Bin im Garten (2019)

In ihrem Tagebuch eines Gartenjahres beschreibt Meike Winnemuth, wie sie ein Jahr in ihrem Garten mit Laube an der Ostsee verbringt. Es geht um Pflanzen, Säen, Wässern, Zuschauen beim Wachsen und schließlich Ernten.

Muriel Barbery, Die Eleganz des Igels/L’élégance du hérisson (2006)

Eine Pariser Concierge wird ihr Leben lang von anderen Menschen übersehen und unterschätzt und genau das will sie: