Ich tausche mich gerne über Bücher aus, empfehle Titel und nehme Empfehlungen anderer auf. Als ich vor Jahren mit meiner Arbeit zur Lese-Rechtschreibschwäche begann, entstand gleichzeitig mein Bücherblog „Das Freitagsbuch“. In loser Folge stelle ich seitdem an Freitagen hier ein Buch vor: einen Roman oder ein Fachbuch für Erwachsene und ab und zu auch für junge Leser. Ich biete eine große Bandbreite an und folge dabei meinem persönlichen Bewertungssystem von "6 Bücher" für "einfach wunderbar" bis zu "1 Buch" für "lieber etwas anderes lesen".
Christoph Poschenrieder (2015), Mauersegler
Fünf Männer in einer WG: Gute Aussichten für das Alter?
Manche Bücher überraschen den ahnungslosen Leser, der sie zufällig in die Hand nimmt. Er fängt an zu lesen und wird verblüfft von seinem unerwarteten Fund. So ging es mir mit diesem Roman von Christoph Poschenrieder über eine WG, in die fünf alte Männer ziehen, die sich seit Kindertagen kennen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum dieses Buch bei der Kritik durchfiel, und ich empfehle es hier gerne weiter.
Zeruya Shalev, Späte Familie (2005)
Anatomie einer Trennung
Ein Buch aus Israel scheint mir geboten in diesen Zeiten und Zeruya Shalev stand schon länger auf meiner Liste. So habe ich mir neulich diesen sehr umfangreichen Roman vorgenommen, in dem eine Frau sich plötzlich von ihrem Mann trennt und damit das Leben dreier Menschen auf den Kopf stellt. Ich bin nicht enttäuscht worden.
Susanne Ackstaller, Auf das Leben! (2023)
Sag nie: Dafür bin ich zu alt.
Wer die Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland zum 31. Dezember 2022 betrachtet, kann ganz klar sehen, dass ein sehr großer Teil der Deutschen altersmäßig zwischen 50 und 65 Jahren rangiert. Dort bildet sich in der graphischen Darstellung eine große „Beule“ (s. Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland 2022 | Statista), was in vielen anderen Ländern ähnlich ist. Erstaunlicherweise wird den Interessen und Bedürfnissen dieser großen Gruppe häufig nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt, sondern es geht meistens entweder um sehr junge oder wesentlich ältere Menschen, selten um die Mittelalten. Woran liegt das und wie steht es um die Befindlichkeit dieser starken Gruppe? Welche Möglichkeiten sieht sie für sich selbst? Die erfolgreiche Texterin und Bloggerin Susanne Ackstaller ist in ihrem aktuellen Buch diesen Fragen nachgegangen. Herausgekommen sind 17 Porträts, jedes auf seine Weise inspirierend und mutmachend.
Tonio Schachinger, Echtzeitalter (2023)
Coming of Age in Wien
Der deutsche Buchpreis ging in diesem Jahr an den Österreicher Tonio Schachinger für seinen Gesellschaftsroman Echtzeitalter. Da der Ausschnitt, den der Autor im Frankfurter Schauspielhaus neulich vorlas, vielversprechend klang, habe ich ihn mir direkt vorgenommen und mich damit nach Wien versetzt.
Judith Hermann, Sommerhaus, später (1998)
Erzähl eine Geschichte
Heute wird in Großbritannien der "Erzähl-eine-Geschichte-Tag" gefeiert und ich nutze diesen kuriosen Feiertag als Chance, das schon recht alte Erstlingswerk der mittlerweile sehr bekannten Autorin Judith Hermann vorzustellen. Ein Praktikum führte Hermann während ihrer Journalistenausbildung nach New York. Ausgerechnet dort schrieb sie diese preisgekrönten Geschichten, von denen mehrere in ihrer Heimatstadt Berlin spielen.