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Leseempfehlungen

Ich tausche mich gerne über Bücher aus, empfehle Titel und nehme Empfehlungen anderer auf. Als ich vor Jahren mit meiner Arbeit zur Lese-Rechtschreibschwäche begann, entstand gleichzeitig mein Bücherblog „Das Freitagsbuch“. In loser Folge stelle ich seitdem an Freitagen hier ein Buch vor: einen Roman oder ein Fachbuch für Erwachsene und ab und zu auch für junge Leser. Ich biete eine große Bandbreite an und folge dabei meinem persönlichen Bewertungssystem von "6 Bücher" für "einfach wunderbar" bis zu "1 Buch" für "lieber etwas anderes lesen".

  • Verantwortung
  • Gesellschaft
  • Gemeinschaft

Alexander von Schönburg, Die Kunst des lässigen Anstands: 27 altmodische Tugenden für heute (2018)

Alles altmodisch, oder etwa nicht?

Als ich mich gestern über die Ablehnung einer Impfpflicht für Menschen ab 60 Jahren ärgerte, fiel mir ein, dass ich mir vor einiger Zeit vorgenommen hatte, Alexander von Schönburg hier vorzustellen mit seiner Betrachtung von 27 (!) altmodischen Tugenden für heute. In einer Gesellschaft, die sich offenbar - wie in vielen westlichen Ländern - hauptsächlich der Selbstoptimierung und der Verfolgung eines meist nicht näher definierten Freiheitsbegriffs verschrieben hat, scheint jeder Schritt im Sinne des Gemeinwohls eine Zumutung und dafür ist die gestrige Fehlentscheidung ein weiterer Beweis.

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  • Krise
  • Krankheit
  • Gesellschaft

John Ironmonger, Der Wal und das Ende der Welt/Not Forgetting the Whale (2015)

Mit Optimismus durch die Krise?

"Die Lage ist objektiv viel schlimmer als die Stimmung": Wenn ich mich draußen aufhalte, fällt mir diese Warnung unseres Gesundheitsministers immer wieder ein. Denn das Coronavirus ist noch nicht überstanden, sondern wird nur von den Geschehnissen in der Ukraine verdrängt. Daher scheint es mir ganz passend, heute hier nach Das Licht der letzten Tage vor einiger Zeit ein weiteres Buch über eine Pandemie vorzustellen.

Gleich zu Beginn passieren in diesem Roman zwei seltsame Dinge: Ein Wal wird an den Strand eines kleinen Dorfes in Cornwall gespült und ein fast erfrorener, nackter Mann liegt plötzlich ebenfalls im Sand. Die Einwohner des Ortes ahnen - ebenso wie der Leser - sofort, dass sich da etwas zusammenbraut. 

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  • Isolation
  • Krankheit
  • Essen

Han Kang, Die Vegetarierin (2007)

Metamorphose

In einer Zeit, in der sich alles um Politik dreht, habe ich mich bewusst entschieden, hier heute ein zwar gesellschaftlich durchaus relevantes, aber eher privates Buch vorzustellen. Mir fällt immer wieder auf, wie viele Menschen davon berichten, dass sie sich vegetarisch oder sogar vegan ernähren. Fast alle erzählen davon, dass diese Entscheidung viel in ihrem Leben verändert hat, aber nie sind diese Veränderungen so dramatisch wie bei Han Kang. Dieser Roman aus Südkorea ist erst 2015 auf Englisch erschienen, wurde danach schnell bekannt, mehrfach ausgezeichnet und international erfolgreich. 

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  • Isolation
  • Durchhaltevermögen
  • Familie
  • Kreativität

Alejo Moguillansk/Luciana Acuña, La edad media/The Middle Ages (2022)

Absurdistan: Wenn die Wirklichkeit die Literatur überholt

Gerade in Zeiten großer Unklarheit und Unruhe suchen viele Menschen nach Zerstreuung, indem sie beispielsweise ins Kino gehen, um sich trotz Maskenpflicht und Abständen Filme anzusehen. 156.000 verkaufte Eintrittskarten auf der diesjährigen Berlinale sprechen Bände darüber. Und das trotz hektischer Online-Beschaffung, strikter Hygieneauflagen und nicht zuletzt starker Stürme. Da wir uns ja hier in einem Bücherblog befinden, werde ich weder eine Eloge auf die erstklassige Organisation in Berlin und den reibungslosen Ablauf unter schwierigsten Bedingungen halten, noch von dem riesigen Filmangebot schwärmen, sondern besonders für einen argentinischen Film werben, in dem Literatur eine große Rolle spielt.

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  • Geschichte
  • Umbruch
  • Krise
  • Politik
  • Künstler

Uwe Wittstock (2021), Februar 33: Der Winter der Literatur

Wie schnell das alles ging

Dieses Buch lag schon länger bei mir bereit, aber nachdem ich erst vor einem Jahr Anatol Regniers Werk mit ganz ähnlicher Thematik gelesen und auch hier vorgestellt hatte, wollte ich erst einmal ein wenig Abstand gewinnen. Dabei sind, wie sich sofort bei der Lektüre herausstellte, die beiden Bücher grundverschieden. Der bekannte Journalist Wittstock hat hiermit aus meiner Sicht ein so hochspannendes wie aufwühlendes Geschichtsbuch vorgelegt. In einem einzigen Monat erlischt der literarische Glanz der Weimarer Zeit und weicht dem Winter der Literatur.

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Dr. Susanne Eichholz, Frankfurt
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