H.G. Wells, Die Zeitmaschine / The Time Machine (1895)

Angesichts der Möglichkeiten und Risiken, die sich durch die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz derzeit auftun, scheint die Frage berechtigt, wie wir mit diesen Veränderungen umgehen. Vielleicht hilft ein Blick zurück, um den Weg nach vorne zu klären? Wie hat man sich denn früher das Leben in der Zukunft vorgestellt? So kam mir die Idee, mit H.G. Wells auf die erste literarische Zeitreise in die Zukunft zu gehen. 

Der anonyme Zeitreisende erklärt zu Beginn des Romans seinem Umfeld, wie einfach die von ihm gebaute Zeitmaschine ihm ermöglicht, sich vorwärts wie rückwärts durch die Zeit zu bewegen. Er reist zunächst in das Jahr 802.701, wo er auf zwei Gesellschaftsklassen trifft, die oberirdischen Eloi und die unterirdischen Morlocks. Den kindlich wirkenden Eloi, die in einer Scheinidylle leben, macht nur eine gewaltige Furcht vor der Dunkelheit zu schaffen. Die hässlichen Morlocks erhalten die Eloi dadurch am Leben, dass sie in ihren Höhlen riesige Maschinen betreiben. Dem Zeitreisenden wird der Zusammenhang zwischen den beiden Klassen nur langsam klar, denn es ist nicht etwa nur so, dass die Unterirdischen ausgebeutet werden.

Die Reise geht dann noch viel weiter in die Zukunft, in der der Reisende auf der stillstehenden Erde menschliche Wesen sucht. Da keiner ihm nach seiner Rückkehr seine Erlebnisse glauben will, stattet er sich für die nächste Reise besser aus, kommt aber nicht zurück.

Der gesellschaftskritische Aspekt dieser Dystopie ging in den zahlreichen Verfilmungen zum Teil unter, war aber für Wells entscheidend. Das Buch ist auch heute noch fesselnd, obwohl er recht nüchtern geschrieben ist. Der Blick in die weite Zukunft erscheint nur zunächst sehr reizvoll, die Reise wird dann immer gefährlicher und erschreckender.

Was kann man also mitnehmen aus diesem Klassiker der Science-Fiction-Literatur? Zumindest schon einmal, dass der Blick in die Zukunft die Menschen schon sehr lange beschäftigt und fasziniert. Zudem scheint es geboten, technischen Neuerungen mit einer gesunden Mischung aus Offenheit und Skepsis gegenüberzutreten. Ich jedenfalls werde mir sorgfältig anschauen, was uns ChatGPT und Co. bringen, und kann diese spannende Lektüre empfehlen, um sich auf Zukunftsfragen einzustimmen.

(17.02.2023)