Ich binde in mein Coachingangebot immer Leseempfehlungen ein und wende mich daher besonders an Menschen, die gerne lesen. An jedem zweiten Freitag stelle ich in meinem Blog ein Buch vor. Das „Freitagsbuch“ kann ein Roman oder ein Fachbuch sein. Alle Bücher verbindet etwas: Sie drehen sich um Themen, die Menschen in Umbruchsituationen beschäftigen.

Bücher wirken inspirierend und die Leser nehmen etwas mit von den beschriebenen Verhaltensweisen, indem sie Ideen aufgreifen oder Fehler vermeiden. Da Literatur immer individuell wirkt, fühlt sich der Leser nicht von jedem Titel gleich stark angesprochen. Ich biete hier eine Auswahl meiner Lektüre an und hoffe, dass dadurch möglichst viele Leser ihre eigene Situation überdenken und in Ansätzen klären. Zudem wünsche ich den Lesern viel Vergnügen mit meiner Auswahl und immer wieder die beruhigende Erkenntnis, dass sie nicht allein dastehen mit ihren Problemen. 

Ich folge meinem persönlichen Bewertungssystem: 

  • 6 Bücher = einfach wunderbar
  • 5 Bücher = unbedingt lesenswert für eine bestimmte Lesergruppe
  • 4 Bücher = interessant für eine bestimmte Lesergruppe
  • 3 Bücher = nischig, nur für eine bestimmte Lesergruppe
  • 2 Bücher = unterhaltsam, aber nicht mehr
  • 1 Buch = lieber etwas anderes lesen

Kazuo Ishiguro, Alles, was wir geben mussten / Never let me go (2005)

Nach dem großartigen Roman Was vom Tage übrigblieb / The Remains of the Day (1989) ging ich vor einigen Wochen mit ganz großen Erwartungen an den für mich zweiten Roman von Ishiguro. Größer könnte der Kontrast zwischen zwei Werken jedoch nicht sein und so war ich zunächst sehr enttäuscht von dieser Geschichte, bei der mir bis zum Schluss nicht klar wurde, ob es sich um einen Clon- oder Science-Fiction-Roman oder einfach um eine Betrachtung zum Thema Freundschaft handelt. Vielleicht ist sie aber auch von allem etwas.

Siegfried Lenz, Die Auflehnung (1994)

Seit einigen Monaten bin ich auf Instagram aktiv (@sichlesendentwickeln) und stelle dort zunehmend fest, dass in den Bücher-Accounts immer wieder dieselben aktuellen Titel rezensiert werden. Daher habe ich beschlossen, mich hier stärker unbekannteren oder klassischen Werken zu widmen. So griff ich nach einem Roman von Siegfried Lenz über einen berufsunfähigen Teeverkoster, den ich als passionierte Teetrinkerin vor einiger Zeit entdeckt und gleich gelesen habe. Es ist ein eher unbekannter Lenz, der nicht sofort begeistert, dann aber den Leser in seinen Bann zieht. 

Joachim Meyerhoff, Hamster im hinteren Stromgebiet (2020)

Über dieses Buch, den fünften Teil von Meyerhoffs Lebensgeschichte, ist schon so viel geschrieben worden, dass ich gezögert habe, dem noch etwas hinzuzufügen. Es ist die Geschichte seines Schlaganfalls mit 51 Jahren, der ihn von jetzt auf gleich aus der Normalität reißt und alles in Frage stellt. Den Büchern, die diesem vorgeschaltet sind - den dritten Band von 2015 habe ich hier bereits vorgestellt - ist der ganz normale Wahnsinn zu entnehmen, der bis zum Schlaganfall sein Leben charakterisiert hat. Ich hatte mich schon einige Male gefragt, wie er diese Existenz auf Hochtouren auf die Dauer würde durchhalten können. Mit 51 bekam er in Wien plötzlich die Quittung.

Lisa Halliday, Asymmetrie/Asymmetry (2018)

Es gibt sie also doch, diese Erfolgsgeschichten junger Autoren, die mit dem ersten Buch die internationale Bühne erobern: Lisa Halliday ist der Beweis. Denn der jungen Amerikanerin, die in Harvard studiert hat und in Mailand lebt, ist mit ihrem ersten Roman ein großer Wurf gelungen, der ihr viel Ruhm und große Bekanntheit verschafft hat.

Virginia Woolf, Zum Leuchtturm/To the Lighthouse (1927)

Nichts liegt mir ferner, als den berühmten Klassiker von Virginia Woolf als Sommerroman abzutun, aber ich habe ihn vor einigen Monaten wieder in der Hand gehabt und darin eben auch einen sehr sommerlichen Hintergrund vorgefunden. Daher habe ich To the Lighthouse, das mehrfach auf Listen der besten englischen Romane des vergangenen Jahrhunderts auftaucht, für das heutige hochsommerliche Datum ausgewählt. Dabei geht es hier nicht um unvergessliche Dialoge oder faszinierende Handlungsstränge, sondern die experimentelle Erzählweise war das eigentlich Besondere, als das in drei Teile gegliederte Buch vor fast 100 Jahren erschien.