Ich binde in mein Coachingangebot immer Leseempfehlungen ein und wende mich daher besonders an Menschen, die gerne lesen. An jedem zweiten Freitag stelle ich in meinem Blog ein Buch vor. Das „Freitagsbuch“ kann ein Roman oder ein Fachbuch sein. Alle Bücher verbindet etwas: Sie drehen sich um Themen, die Menschen in Umbruchsituationen beschäftigen.

Bücher wirken inspirierend und die Leser nehmen etwas mit von den beschriebenen Verhaltensweisen, indem sie Ideen aufgreifen oder Fehler vermeiden. Da Literatur immer individuell wirkt, fühlt sich der Leser nicht von jedem Titel gleich stark angesprochen. Ich biete hier eine Auswahl meiner Lektüre an und hoffe, dass dadurch möglichst viele Leser ihre eigene Situation überdenken und in Ansätzen klären. Zudem wünsche ich den Lesern viel Vergnügen mit meiner Auswahl und immer wieder die beruhigende Erkenntnis, dass sie nicht allein dastehen mit ihren Problemen. 

Ich folge meinem persönlichen Bewertungssystem: 

  • 6 Bücher = einfach wunderbar
  • 5 Bücher = unbedingt lesenswert für eine bestimmte Lesergruppe
  • 4 Bücher = interessant für eine bestimmte Lesergruppe
  • 3 Bücher = nischig, nur für eine bestimmte Lesergruppe
  • 2 Bücher = unterhaltsam, aber nicht mehr
  • 1 Buch = lieber etwas anderes lesen

Julian Barnes Ending, Vom Ende einer Geschichte/Sense of an Ending (2011)

Der englische Schriftsteller Julian Barnes erhielt mehrere Preise für diesen kurzen Roman in zwei Teilen, der bereits verfilmt wurde. Zunächst berichtet der Ich-Erzähler Tony Webster von seiner Schulzeit mit seinen Freunden Alex und Colin, zu denen der frühreife Adrian hinzustößt. Die Jugendlichen stellen den klassischen Lernstoff in Frage und geben allerlei kluge Kommentare von sich. Die Freunde stehen sich über Jahre sehr nahe, leben sich nach der Schule jedoch auseinander. Adrian erhält ein Stipendium für Cambridge und Tony studiert in Bristol Geschichte, wo er seine Freundin Veronica kennenlernt. Sie ist so schwer durchschaubar wie kapriziös und ein bei ihren Eltern verbrachtes Wochenende wird Tony immer in Erinnerung bleiben.

Marion Poschmann, Die Kieferninseln (2017)

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020 liegt seit einigen Tagen vor. Da liegt es nahe, sich auch mit Nominierten vergangener Jahre zu beschäftigen. Das führte mich zu Marion Poschmann. Sie erhielt schon früh zahlreiche Preise und Stipendien und mit ihrem Roman „Die Kieferninseln“ landete sie 2017 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. 2019 erhielt sie für diesen Titel den Man Booker International Prize. In der Tat wird beim Lesen schnell klar, dass es sich hier um ein ungewöhnliches Werk handelt.

Der Privatdozent und Bartforscher Gilbert Silvester träumt eines Nachts, dass seine Frau ihn betrügt. Darauf fährt er Hals über Kopf zum Flughafen und bucht den frühesten Interkontinentalflug, der ihm angeboten wird. Kaum ist er in Tokyo gelandet, hindert er den jungen Japaner Yosa Tamagotchi daran, sich aus Prüfungsangst vor einen Zug zu werfen.

Siri Hustvedt, Der Sommer ohne Männer/The Summer Without Men (2011)

Nach der starken Hitze der letzten Wochen in Teilen Europas liegt ein Sommerroman nahe, der in einem ähnlichem Klima spielt. Es handelt sich um ein Buch der US-amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt. Sie ist sehr produktiv und in über dreißig Sprachen übersetzt worden. Dieses Buch ist einer ihrer bisher sechs Romane.

Es geht um die New Yorker Lyrikerin Mia, die plötzlich von ihrem Mann Boris verlassen wird, der nach 30 Ehejahren eine „Pause“ braucht.

Christine Nöstlinger, Die feuerrote Friederike (1970)

Obwohl auch die Buchbranche in diesem besonderen Jahr zu kämpfen hat, hat der Bereich der Kinder- und Jugendbücher im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzwachstum von 3,6 Prozent erzielt. Grund genug, sich heute hier einmal einem Jugendbuch zuzuwenden. Ich verabschiede mich hiermit in meinen Sommerurlaub und melde mich Mitte August wieder, dann mit einem Sommerroman. 

Die erst 2018 verstorbene österreichische Kinder- und Jugendautorin Christine Nöstlinger hat über 100 Bücher geschrieben und beispielsweise mit ihren „Geschichten vom Franz“ vielen Kindern – und Eltern – Vergnügen bereitet. In ihrem allerersten Kinderbuch ging es jedoch um ein wenig erheiterndes, aber ungebrochen aktuelles Thema – Mobbing.

Friederike hat keine Eltern und lebt mit ihrer Tante Annatante und der Katze Kater. Aufgrund seiner feuerroten Haare wird das dicke Mädchen immer wieder von Kindern gehänselt. Sein einziger Freund ist der farbenblinde Briefträger Bruno.

Helen Russell, Hygg Hygg Hurrah: Glücklich wie die Dänen/The Year of Living Danishly: Uncovering the Secrets oft he World’s Happiest Country (2015)

Die Ferienzeit beginnt. Dieses Jahr werden viele von uns im eigenen Land oder in Nachbarländer reisen. Daher wende ich mich mit meiner Buchempfehlung heute Dänemark zu und der Frage nach dem Glück. 

Die britische Journalistin Helen Russell arbeitete für eine Frauenzeitschrift in London, bevor sie ihren Mann auf einen Auslandsaufenthalt ins ländliche Dänemark begleitete und dort begann, ihre Erlebnisse und Erkenntnisse in der Heimat der glücklichsten Menschen der Welt in diesem Buch zu beschreiben.

Helen ist 33 und auf einer Position in einem sehr bekannten Magazin, um die sie viele beneiden würden. Sie lebt kinderlos und vielbeschäftigt in London, als ihrem Mann ganz unerwartet eine Tätigkeit für ein Jahr bei Lego in Dänemark angeboten wird. Während ihr Mann sofort Feuer und Flamme ist, beginnt sie als gelernte Journalistin erst einmal, gründlich zu recherchieren. Sie stößt auf den „UN World Happiness Report“, nach dem die Dänen das glücklichste Volk der Welt sind, und das schon seit 40 Jahren. Daraufhin beschließt das Paar, nach Dänemark aufzubrechen.