Ich tausche mich gerne über Bücher aus, empfehle Titel und nehme Empfehlungen anderer auf. Als ich vor Jahren mit meiner Arbeit zur Lese-Rechtschreibschwäche begann, entstand gleichzeitig mein Bücherblog „Das Freitagsbuch“. In loser Folge stelle ich seitdem an Freitagen hier ein Buch vor: einen Roman oder ein Fachbuch für Erwachsene und ab und zu auch für junge Leser. Ich biete eine große Bandbreite an und folge dabei meinem persönlichen Bewertungssystem von "6 Bücher" für "einfach wunderbar" bis zu "1 Buch" für "lieber etwas anderes lesen".
Audur Ava Ólafsdóttir, Eden (2025)
Neuanfang in Island
Wenn ein so unaufgeregter Roman über eine Sprachwissenschaftlerin aus Reykjavík schnell in 25 Sprachen übersetzt wird, hat das sicher etwas zu bedeuten. Denn in Eden passiert über weite Strecken nicht besonders viel und es wird auch nicht sehr viel gesprochen. Das bedient einerseits gängige Island-Klischees und kommt andererseits offenbar dem Verlangen vieler Leser nach Ruhe und Naturerleben entgegen.
Stefan Moster, Vom Glück, im Chor zu singen (2025)
Nun singet und seid froh
Man muss nicht wie der Autor dieses erst letztes Jahr erschienenen Buches aus einer musikalischen Familie stammen, in der der Chorgesang selbstverständlich dazugehörte, um dem gemeinsamen Singen etwas abgewinnen zu können. Man muss auch nicht wie Stefan Moster auf viele Jahre Blockflöten-, Gitarren-, Oboen- und Klarvierunterricht zurückschauen, um mit dem Gedanken zu spielen, einem Chor beizutreten. Schließlich gibt es in Deutschland derzeit allein innerhalb des Deutschen Chorverbands 700.000 Menschen, die in 13.000 Chören singen. Was führt zu dieser stattlichen Zahl?
Judith Hermann, Ich möchte zurückgehen in der Zeit (2026)
Vom Schweigen in den Familien
Als Judith Hermann diese Woche erstmals in der Öffentlichkeit aus ihrem neuen Buch vorlas, war das Frankfurter Literaturhaus ausverkauft. Verlagsvertreter und Leser bescherten ihr einen herzlichen Empfang. In ihrer Neuerscheinung geht es um die Geschichte ihres Großvaters, der Mitglied der Waffen-SS und an der Auflösung des jüdischen Ghettos im polnischen Radom beteiligt war. Diese Leerstelle oder dieser blinde Fleck innerhalb der Familiengeschichte erfüllt die Autorin mit einer gewissen Traurigkeit und Unruhe, so dass sie sich aufgemacht hat, um mehr darüber zu erfahren.
Sabine Lidl, Siri Hustvedt - Dance Around the Self (2026)
Große Lebensthemen
Trotz miserablen Wetters, trotz der frühen Stunde und trotz der zahlreichen Versuche, die diesjährige Berlinale zum reinen Politikum zu machen, war am letzten Sonntag schon um 9:30 Uhr das Haus der Berliner Festspiele voll. Hustvedt- und sicher auch Auster-Fans hatten den Weg durch eiskalten Dauerregen nicht gescheut, um sich den Dokumentarfilm von Sabine Lidl über Siri Hustvedt anzuschauen. Und sie wurden nicht enttäuscht.
Florence Gaub, Szenario: Die Zukunft steht auf dem Spiel (2025)
Einmal das ganz große Rad drehen
Wer will nicht einmal bedeutende, weitreichende Entscheidungen treffen und das ganz große Rad drehen, statt im Klein-Klein des Alltags zu verharren? Die Zukunftsforscherin und Militärstrategin Florence Gaub gibt dem Leser in diesem interaktiven Buch die Möglichkeit dazu. Sie denkt und arbeitet in Szenarien und demonstriert hier, wie man dabei vorgeht.