Dass Kino und Literatur sich oft recht nahe sind, konnte man auf der diesjährigen Berlinale wieder feststellen. Damit meine ich nicht nur die großen Verfilmungen internationaler Bucherfolge, sondern auch kleinere Filmprojekte, in denen es um Literatur und ihren Sitz im Leben geht. Der Dokumentarfilm "And, Towards Happy Alleys" der indischen Regisseurin Sreemoyee Singh über die aktuelle Lage im Iran ist ein gelungenes Beispiel hierfür und wurde bei seiner Weltpremiere in Berlin mit stehenden Ovationen gefeiert.
Worum geht es der jungen Inderin Singh, die seit Beginn ihres Filmstudiums vom Iran, seinem Kino sowie seiner Dichtung fasziniert ist und Farsi gelernt hat? Sie zeigt, wie viele Iraner Kunst gegen das unterdrückerische Regime einsetzen. Für ihren Film ist sie seit 2015 sechs Jahr lang in den Iran gereist, um vor Ort Interviews mit Filmemachern und Aktivisten zu führen.
Besonders interessant waren für mich die mit dem Regisseur Jafar Panahi geführten Gespräche über die Lage der Künste im Land und die zahlreichen Repressalien, mit denen Künstler rechnen müssen, sobald sie sich frei äußern. Panahi selbst wurde letztes Jahr verhaftet und erst nach einem Hungerstreik aus der Haft entlassen.
In allen Interviews geht es um die Unfreiheit der Filmemacher, Schauspieler und Künstler allgemein. Besonders die Frauen im Iran sind davon betroffen, zumal sie nicht einmal in der Öffentlichkeit singen dürfen, geschweige denn sich politisch äußern dürfen. Die Dichtung der feministischen Dichterin und Regisseurin Forough Farrokhzad bildet den kunstvollen Hintergrund, vor dem alles spielt. Die Schlussszene, in der Singh in einer Mädchenschule etwas vorsingt und alle Schülerinnen sofort einstimmen, obwohl die Lehrerin sie ausdrücklich davor gewarnt hat, wirkt nach. Wer die Gelegenheit hat, sich diese besondere Produktion anzuschauen, sollte sich selbst ein Bild machen, ob dieses Ende Hoffnung gibt.
(03.03.2023)