Das Phänomen „Spanische Grippe“ war bis vor kurzem nur in Fachkreisen näher bekannt und geriet erst durch die CORONA-Krise plötzlich in den Fokus. Als die britische Wissenschaftsjournalistin und Romanautorin Laura Spinney 2017 dieses Buch veröffentlichte, war noch nicht zu ahnen, wie wichtig ihre Erkenntnisse bald werden würden. Spinney legte ein sehr umfangreiches Werk vor, in dem es um die Auswirkungen der Spanischen Grippe überall auf der Welt und in allen Lebensbereichen ging.

Direkt nach dem Erstem Weltkrieg brachte die Spanische Grippe der Menschheit weiteres Leid und führte zu Millionen von Toten weltweit. Obwohl in kurzer Zeit fast ein Drittel der Menschen auf der Welt erkrankte, wurde bis zum Frühjahr 2020 kaum über die Spanische Grippe gesprochen. Ihre gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Folgen waren kaum bekannt, bevor Spinney sich ihrer annahm. Darin liegt die eigentliche Leistung dieses Buchs. Ob tatsächlich all das, was sie - auch auf einzelne Personen bezogen - anspricht, mit der Spanischen Grippe in unmittelbarem Zusammenhang stand, scheint gar nicht so wichtig zu sein. Ihr Ansatz zeigt neben der zerstörerischen Kraft einer solchen Pandemie die unzähligen Veränderungen in allen Lebensbereichen und wie die Menschen damit umgingen.

In all ihren Beschreibungen thematisiert Spinney die Zeit um 1918 und doch liest sich vieles, als ginge es um das Jahr 2020, wenn auch damals die Gesundheitssysteme wesentlich weniger entwickelt waren als heute und es zu ganz anderen Infektions- und Todeszahlen kam, als derzeit zu befürchten. Es zeigt sich dennoch, dass vieles schon einmal da war, dass die Menschen ähnliche Erfahrungen machten, vergleichbare Fragen stellten, Zweifel hatten, Irrtümer begingen … und letztendlich die Krise nach mehreren Wellen überwanden. Wer sich mit diesem Phänomen in Ruhe und sachlich auseinandersetzen will, dem sei dieses Sachbuch sehr ans Herz gelegt.

(06.11.2020)