Ein Jahr Pandemie - man würde meinen, ein Jahr voller Lesen. Das kann man aber so generell nicht festhalten, da das vergangene Buchjahr nicht einfach zu analysieren ist. Klar ist jedoch, dass erheblich mehr Kinder- und Jugendbücher gekauft wurden als sonst: Im Jahr 2020 wurden 4,9% mehr Bücher in diesem Segment gekauft. Ein Grund mehr, sich hier einmal einem der beliebtestesn und bekanntesten Autoren dieses Bereichs zuzuwenden, Paul Maar. Vor wenigen Monaten erschien die Geschichte seiner Kindheit und das Buch wurde allgemein wohlwollend aufgenommen, was mich zunächst sehr verwundert hat. Selten habe ich ein Buch eines so bekannten Autoren gelesen, das derart schlicht geschrieben ist und eine Geschichte erzählt, die so typisch ist für eine ganze Generation.

Der frühe Tod der Mutter, das lange Verschwinden des Vaters im Krieg, der Umzug von der Stadt aufs Land aus Angst vor Bombennächten - all das erzählten einem die eigenen Großeltern schon und berichten heute noch die eigenen Eltern. Der Gedanke, dass ein hervorragender Kinderbuchautor und -illustrator nicht unbedingt ein großer Romanautor sein muss, drängt sich schnell auf. Dennoch unterbrechen einige Passagen das kleinteilige Leben in Franken auf dem Lande und heben das Buch auf ein ganz anderes Niveau. Die Beschreibung der fortschreitenden Demenz seiner Frau Nele berührt sehr, ebenso die Rollenverteilung zwischen Maler und Dichter, die Maar mit seinem Schulfreund Franz vorgenommen hatte und erst durch einen tragischen Unfall aufgab. Am wichtigsten scheint die Auseinandersetzung mit seinem Vater zu sein, der nie Sinn für seinen ständig zeichnenden und lesenden Sohn zu haben schien. Erst ganz am Ende des Buchs kommt der Autor hier zu einer wichtigen Erkenntnis, die sich wahrscheinlich auf das Leben vieler Leser übertragen ließe, befreiend wirken und viel verändern kann.

(26.2.2021)