Manche Bücher werden von der Kritik sehr positiv aufgenommen und erhalten diverse Preise. Doch nicht jeder Leser muss das nachvollziehen können. So erging es mir mit dem vielgepriesenen Debütroman von Ronya Othmann Die Sommer, der sich um den Syrienkrieg dreht. 

Leyla, Tochter einer deutschen Mutter und eines kurdischen Vaters, weiß nicht recht, ob sie eher deutsch oder kurdisch ist. Die Familie bricht jeden Sommer von Bayern aus auf und reist in das Dorf der Großeltern in Nordsyrien, nahe der Türkei.

Je älter sie wird, umso stärker ist Leyla hin- und hergerissen zwischen ihrem Leben in Deutschland und den Eindrücken in den Sommern im Dorf. Auch die Vorstellung von ihrer Zukunft sind recht gespalten: In Deutschland steht nach ihrem Abitur ein Studium an, im Dorf wäre eine arrangierte Ehe der normale nächste Schritt.

Ronya Othmanns Buch ist nicht in Kapitel untergliedert und besteht aus vielen Fragmenten, die oft in einem Wechsel zwischen Kulturen und Zeiten stattfinden. Nicht nur das machte das Lesen dieses mehrfach ausgezeichneten Romans für mich mühsam, auch die Sprache ist sehr schlicht, eigenartig trocken und höhepunktlos. So fiel es mir oft schwer, mich in die Protagonistin hineinzuversetzen, die die Ereignisse um Assad voller Schrecken verfolgt und immer um ihre Familie bangt. Nur ihre Enttäuschung über ihr deutsches Umfeld, das den Ereignissen in Syrien aus ihrer Sicht viel zu wenig Beachtung schenkt, ist deutlich spür- und nachvollziehbar.

„Die Sommer“ scheint mir daher vor allem eine geeignete Lektüre zu sein für Menschen, die zwischen zwei Kulturen leben und damit hadern oder mit Kriegserlebnissen in ihrer Familie umgehen müssen.

(2.7.2021)