Auf dieses sehr umfangreiche Buch des niederländischen Historikers Rutger Bregman stieß ich, als ich mein vorletztes Freitagsbuch las (Mit Nachsicht von Sina Haghiri). Während Haghiri als Psychologe hauptsächlich die Kraft der Empathie untersucht, geht es bei Bregman um viel mehr, nämlich die Frage, ob der Mensch im Grunde gut ist. Bregman hat sechs Jahre lang zahllose Studien, Presseberichte, Abhandlungen und Veröffentlichungen aller Art durchgearbeitet, um schließlich dieses hochinteressante Werk zur menschlichen Natur vorzulegen.
Wie es sich für einen ordentlichen Historiker gehört, schaut Bregman bei allen Themen zunächst in die Geschichte und betrachtet das Verhalten der Menschen in verschiedenen Epochen. Sein Menschenbild widerspricht komplett der gängigen Auffassung des rationalen, egoistischen Einzelwesens, das ständiger Kontrolle bedarf, um nicht zu verwildern. So verweist er darauf, dass Menschen in historischen Ausnahmesituationen wie beispielsweise im „Blitz“ 1940/41 in England immer wieder Hilfsbereitschaft und nicht etwas Raffgier bewiesen haben. Anhand vieler Beispiele wie dem der Osterinsel untermauert er sein positives Menschenbild.
Gegen Ende des Buches büßt es aus meiner Sicht an Wucht ein, verliert sich in einigen Modellversuchen und wirkt wie ein Ratgeber. Dennoch bleibt die grundlegend andere Perspektive, mit der der Autor auf die Geschichte und den Menschen schaut. Zudem ist das Buch sehr unterhaltsam geschrieben und liest sich durchgehend locker weg, da der Leser immer nachvollziehbar durch den Prozess des Erkenntnisgewinns geführt wird.
Ganz offenbar stillt Bregmans Form von Optimismus ein großes Verlangen, denn nicht nur dieses, sondern auch seine anderen Werke wurden schon in über 30 Sprachen übersetzt und sind weltweit Bestseller. Mich jedenfalls überzeugt vieles von dem, was er schreibt, und ich kann diese veränderte Haltung zum Menschen nur empfehlen.
(31.05.2024)