Axel Hacke, Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte (2023)

Ich gebe zu, ich war sehr skeptisch, als ich mich an die Lektüre dieses kleinen, gelb gepunkteten Buches machte, das sich seit vielen Monaten in jeder Bahnhofsbuchhandlung stapelt und mit dem der bekannte Journalist und Autor Axel Hacke im Januar im Nu das Schauspielhaus Frankfurt füllte. Immerhin 700 Menschen waren bereit, dafür einiges auszugeben und stundenlang zu sitzen? Für dieses Thema? Hätte ich da schon gewusst, dass er im ganzen Land mühelos Säle füllt, hätte ich mich sicher noch mehr gewundert. So nahm ich also recht misstrauisch das Buch in Angriff und war nach wenigen Seiten sehr angetan.

 

Wahrscheinlich ist es genau das, was wir dem ewigen Lamentieren über Krise, Krieg und Kummer entgegensetzen wollen: ein feines, zum Schmunzeln bringendes, zudem noch hübsches Büchlein, das den Leser amüsiert, bisweilen zum Nachdenken bringt und gut gestimmt entlässt, heiter eben. Ähnlich wie beim Fußball scheint hier das Rezept zu sein, dem Alltag zu entfliehen. Der Wunsch, fern der beunruhigenden Nachrichtenlage einfach mal über Robert Lembkes „Welches Schweinderl hätten Sie gern?“, Loriot (natürlich!) oder Sempé zu lächeln, scheint riesig zu sein.

Hackes Sprache wirkt oft wie aus der Zeit gefallen, wenn er z.B. von Nonchalance, charmanten Wendungen, Milde und Güte schreibt. Er stellt klar, dass er nicht das große Glück sucht, sondern die kleinen Freuden am Wegesrand. Wissend, dass die Zeiten nie wirklich besser waren und auch nicht werden, schärft er den Blick für das Schöne, das uns trotz allem ständig geboten wird, und animiert zum Lächeln, Lachen und freundlichen Auftreten.

Wäre das nicht wirklich mal eine positive Veränderung, wenn alle, die dieses ausgesprochen beliebte Buch läsen, von  dieser Botschaft beseelt durch den Alltag gingen oder es zumindest versuchten?

(12.07.2024)

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Mittlerweile geht mir das weitverbreitete „Narrativ“ von der Spaltung der Gesellschaft so auf die Nerven, dass ich sofort zugegriffen habe, als ich von diesem Buch zu Nachsicht als möglicherweise verändernder Kraft hörte. Und siehe da: Hier wird unsere Gesellschaft mal einmal nicht als egoistisch, unversöhnlich und unkommunikativ beschrieben. Schon auf den ersten Seiten geht es um ein Experiment in einer U-Bahn, d.h. die Frage, ob über einen kurzen Zeitraum dort mehr rücksichtslose oder -volle Menschen zu zählen sind. Gespannt auf das Ergebnis?

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