Der Neurobiologe Henning Beck ist Spezialist auf dem Gebiet des Denkens und der Nachrichtenverarbeitung durch das menschliche Gehirn. Er dreht Filme, veröffentlicht Bücher, Podcasts (immer dienstags "Das Duell der Besserwisser" mit Sebastian Klussmann) und Artikel, hält Vorträge und forscht immer weiter dazu, was Lernen im digitalen Zeitalter bedeutet. Er hinterfragt tradierte Lernansätze, hält nichts von unterschiedlichen Lerntypen und warnt vor zu einfachen Erklärungen.
Nein, früher war nicht alles besser. Davon ist Beck überzeugt. Auch stimmt es aus seiner Sicht nicht, dass früher mehr gelernt wurde und die Menschen mehr wussten. Er warnt - im Gegenteil - davor, Vergangenes zu verklären, weil wir Menschen mit diesem Mechanismus im Grunde nur unsere Unsicherheit gegenüber der Zukunft übertünchen. Er plädiert gerade angesichts der Informationsflut im digitalen Zeitalter dafür, verwertbares Wissen zu vermitteln und nicht reine Fakten. Was bringt beispielsweise ein Spruch wie "333 bei Issos Keilerei", wenn unklar ist, in welchem Zusammenhang dort was passierte und was es auslöste?
Gerade angesichts der omnipräsenten KI-Thematik kann Becks Ansatz helfen, sich vom reinen Faktenlernen zum inhaltlichen Durchdringen von Zusammenhängen zu bewegen. Ob alles, was Beck schreibt, wissenschaftlich überzeugend ist, kann ich nicht beurteilen. Wohl aber lässt sich festhalten, dass seine Grundideen überzeugen. Jeder sollte sich neues Wissen in einer sich immer schneller verändernden Welt selbst durch Fragen und Versuche erarbeiten, statt sich eher passiv mundgerechte Wissensstücke zuzuführen. Nur wer sich selbst anstrengt und dabei Fehler zulässt, wird wirklich verstehen und nicht für das Kurzzeitgedächtnis lernen - ein lohnenswerter Denkanstoß. Auf Becks Website finden sich viele Möglichkeiten, weiterzudenken, zu sehen und zu hören.
(5.12.2025)