Magdalena Saiger, Am Wasser das Haus: Eine literarische Ortsbegehung (2025)

In der geschenkten Zeit zwischen den Jahren habe ich ein Buch zu einem wunderbaren Ort in Berlin gelesen: Max Liebermanns Sommerhaus am Wannsee. Die Liebermann-Villa ist heute ein Museum, liegt direkt am Wasser und von der Terrasse aus blickt man über den denkmalgeschützten Garten auf weiße Segelboote. Liebermann hat 200 Bilder von diesem Garten gemalt, von denen einige im Museum zu sehen sind. Was dieses Haus schon alles erlebt hat, ist schier unglaublich. In ihm spiegeln sich Jahrzehnte deutscher Geschichte, die Magdalena Saiger in ihrem attraktiv gestalteten Buch beschreibt. 

Die großzügige Villa wurde in den Jahren 1909/1910 von Paul Baumgarten gebaut und die Gartengestaltung übernahm der spätere Stadtgartendirektor von Berlin, Albert Brodersen, der sich dabei von dem auch als „Gartenreformer“ bekannten Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark beraten ließ. Der zu jener Zeit hochangesehene und wohlhabende Max Liebermann hatte das Grundstück als eines der letzten mit Seezugang 1909 im Alter von 62 Jahren erworben als Zufluchtsort für den warmen Sommer im hektischen Berlin. Als Vorsitzender der Berliner Secession und Präsident der Preußischen Akademie der Künste war Liebermann zu diesem Zeitpunkt einer der renommiertesten und erfolgreichsten deutschen Maler. Es sollte sich als Gnade erweisen, dass Liebermann bereits 1935 starb und das ganze Ausmaß der Erniedrigungen und Verbrechen gegenüber jüdischen Künstlern durch das Naziregime nicht mehr miterleben musste. 

1940 musste die Witwe Martha Liebermann die Villa unter dem Druck der Nationalsozialisten weit unter Wert verkaufen und verlassen. Zunächst wurde aus der Villa ein Schulungsheim, dann ein Lazarett, später ein Krankenhaus, danach der Sitz eines Tauchvereins und schließlich ein Sportlerheim. Die allein im Jahr 2024 von über 70.000 Gästen besuchte Villa verdankt ihre Rettung und Zurückgestaltung zu ihrer ursprünglichen Form bürgerlichem Engagement. Denn die 1995 gegründete Max-Liebermann-Gesellschaft hat über die Jahre die Villa und den Garten übernommen, das Grundstück rekonstruiert und die Villa als Museum etabliert. 

Die schon mit mehreren Preisen bedachte Germanistin Magdalena Saiger geht in ihrem Buch der wechselvollen Geschichte des Hauses nach. Ihr Stil nimmt den Leser gleich gefangen und unterstreicht die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit der jeweiligen Epochen im Haus. Es gelingt der Autorin, gerade durch Auslassungen und Sprünge den Leser zu fesseln. Ich kann diese Lektüre daher allen empfehlen, die Liebermann, den Wannsee oder Häuser mit Geschichte und Charakter mögen.  

(09.01.2026)

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