Barbara Kingsolver, Demon Copperhead (2022)

Als neulich der drogensüchtige Sohn des Regisseurs Rob Reiner verdächtigt wurde, seine Eltern umgebracht zu haben, kam mir ein Roman wieder in den Sinn, der mir in seiner Schilderung der Drogenthematik in Teilen der USA so übertrieben schien, dass ich ihn zunächst nicht vorstellen wollte. In "Demon Copperhead" erzählt die amerikanische Erfolgsautorin Barbara Kingsolver die Geschichte des rothaarigen Jungen Damon und zeichnet dabei ein erschütterndes Kindheitsbild. Die Ähnlichkeit zu Charles Dickens' Klassiker "David Copperfield" ist sofort erkennbar und der Junge macht ähnlich seinem Vorbild aus dem 19. Jahrhundert viel mit, bis sich einiges für ihn klärt. 

Kingsolver lässt ihren zehnten Roman in ihrer Heimat spielen, dem ländlichen Virginia der 1990er- und 2000er-Jahre. Schon Damons Geburt in chaotischen Verhältnissen und die Kindheit mit seiner ständig überforderten Mutter lassen Übles ahnen. Die Mutter stirbt sehr jung an einer Medikamentenüberdosis und lässt ihren Sohn allein und mittellos zurück, worauf Damons Tour durch verschiedene, hochgradig schwierige Pflegefamilien beginnt. Einzig seiner starken Resilienz ist es zu verdanken, dass er diese Tortur übersteht und zu einem gesunden, mutigen jungen Mann heranwächst. 

Damon verfügt nicht nur über einen außerordentlichen Überlebenswillen, sondern auch über ein ausgeprägtes zeichnerisches Talent: Er malt Comicfiguren und wird darin auch von einer Kunstlehrerin unterstützt. Wäre der Protagonist nicht so charakterstark und humorvoll, wäre die Lektüre dieses sehr umfangreichen Romans wahrscheinlich nicht durchzuhalten. So jedoch verfolgt der Leser Damons zahlreiche Stationen und ist sprachlos über die omnipräsenten Drogen, mit denen er schon früh in Kontakt gerät. Oft werden sie wie Plätzchen auf einem Gebäckteller gereicht und alle greifen mit großer Selbstverständlichkeit zu. Der Roman enthält sozialkritische Elemente in seiner Auseinandersetzung mit der Opioidkrise, dem US-amerikanischen Fürsorgesystem und dem Umgang mit der Landbevölkerung in den Appalachen. 

Es ist ein groß angelegter Roman, für den man Zeit mitbringen muss, der dann aber einige hochinteressante Aspekte enthält. Der Fall Reiner hat gerade wieder gezeigt, welche Rolle Drogen in der amerikanischen Gesellschaft spielen können. Insofern gewährt "Demon Copperhead" dramatische Einblicke in diese harte Realität. 

(30.01.2026) 

 

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