Trotz miserablen Wetters, trotz der frühen Stunde und trotz der zahlreichen Versuche, die diesjährige Berlinale zum reinen Politikum zu machen, war am letzten Sonntag schon um 9:30 Uhr das Haus der Berliner Festspiele voll. Hustvedt- und sicher auch Auster-Fans hatten den Weg durch eiskalten Dauerregen nicht gescheut, um sich den Dokumentarfilm von Sabine Lidl über Siri Hustvedt anzuschauen. Und sie wurden nicht enttäuscht.
Der fast zweistündige Film begleitet zunächst die junge Siri Hustvedt auf ihrem Weg vom ländlichen Minnesota nach New York. Zahlreiche New Yorker Fotosequenzen werden mit der Stimme Hustvedts unterlegt, die aus ihrem hocherfolgreichen Debüt vorliest: "The Blindfold" /"Die unsichtbare Frau" (1993). Der Film gewährt dann viele Einblicke in Hustvedts Leben, ihre Familie, ihre norwegischen Wurzeln und natürlich ihre sehr lange Ehe mit Paul Auster. Die beiden großen Literaten sind sich früh begegnet und waren dann über 40 Jahre zusammen, bis Auster 2024 an Krebs starb. Es muss eine Künstlerehe auf Augenhöhe gewesen sein, in der große Themen verhandelt wurden, aber auch familiäre Bande eine große Rolle spielten.
Nach der schockierenden Krebsdiagnose richtet das Paar den Blick auf sein langes Zusammensein und den möglichen Abschied. Dabei erlaubt Hustvedt viele private Einblicke in ihr Haus und lässt sogar ein paar Aufnahmen von Paul Austers Beerdigung zu. So entsteht ein sehr persönlicher Film mit unzähligen Zitaten aus ihrem Werk. Nicht nur für ausgewiesene Hustvedt-Fans und -Leser ist Sabine Lidls Film sicher ein großes Erlebnis.
(27.02.2026)