Audur Ava Ólafsdóttir, Eden (2025)

Wenn ein so unaufgeregter Roman über eine Sprachwissenschaftlerin aus Reykjavík schnell in 25 Sprachen übersetzt wird, hat das sicher etwas zu bedeuten. Denn in Eden passiert über weite Strecken nicht besonders viel und es wird auch nicht sehr viel gesprochen. Das bedient einerseits gängige Island-Klischees und kommt andererseits offenbar dem Verlangen vieler Leser nach Ruhe und Naturerleben entgegen. 

Die Protagonistin Alba ist Linguistin, was kaum je in Romanen vorkommt, und forscht und doziert dann auch noch zu aussterbenden Sprachen. Ihr Beruf führt sie zu zahlreichen internationalen Konferenzen und damit zu einer hohen Zahl von Flugmeilen. Eines Tages rechnet sie sich aus, wie viele Bäume sie pflanzen müsste, um ihre Ökobilanz zu verbessern. 

Im Hintergrund geht von einer Affäre mit einem ihrer Studenten Gefahr für Alba aus. Auch dieser Skandal führt dazu, dass sie sich mit dem Gedanken an ein Leben auf dem Lande anfreundet und ein Haus mit riesigem Grundstück und damit Platz für viele Bäume besichtigt. Dann nimmt eine typische Raus-aufs-Land-Geschichte ihren Lauf, die von der Begegnung mit einem jugendlichen Flüchtling, neuen Bekanntschaften im Dorf und vor allem bemerkenswerter Landschaftsbeschreibung untermalt wird. 

Das Ungewöhnlichste an diesem Roman scheint mir Albas starkes Interesse an Sprachen, besonders an ihrer eigenen, zu sein. So gibt es immer wieder Hinweise auf Grammatik und Etymologie des Isländischen. Wer sich dafür - verständlicherweise - nicht besonders erwärmen kann, findet hier zum Ausgleich intensive Schilderungen einer ganz besonderen Landschaft und die Geschichte eines mutigen Neuanfangs.

(24.04.2026)

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