Wer inmitten vieler Feiertage und kurz vor den Sommerferien eine Ferienlektüre sucht, um dem Alltag in unklarer Gesamtgemengelage zu entfliehen, sollte sich Takis Würger zuwenden. Denn er liefert mit den ersten beiden Dritteln seines Romans Für Polina eine hinreißende Geschichte.
Der Protagonist Hannes ist hochmusikalisch und schreibt mit 17 Jahren seine erste Klaviersonate für Polina, die junge Frau, mit der aufgewachsen ist und die er schon sein ganzes Leben kennt. Der Roman legt sehr packend dar, wie die beiden Kinder in einer verwilderten alten Villa zusammen groß werden und dann getrennte Wege gehen, wobei Hannes weiter an Polina hängt.
Während die Kritik (besonders Deutschlandfunk Kultur) den Roman durchfallen ließ, habe ich mich ausgesprochen gut unterhalten gefühlt und die sprachlich starken Beschreibungen der Kindheit und Jugend von Polina und Hannes sowie die vielen Ideen genossen, die Würger für ihren weiteren Lebenslauf entwickelt. Leider kippt die phantasievolle Geschichte am Ende des zweiten Drittels um und der Rest des Buches wird Mainstream, vorhersehbar und klischeehaft.
Dennoch kann ich Für Polina als Urlaubslektüre und zur Ablenkung in einer Zeit vieler schlechter Nachrichten durchaus empfehlen.
(22.04.2026)