Wer Daniel Kehlmann schätzt und zudem gern ins Kino geht, der konnte sich über das Erscheinen seines Romans „Lichtspiel“ im Jahr 2023 nur freuen. Dass das Ganze auch noch historisch interessant ist und ganz grundsätzliche moralische Fragen künstlerischen Schaffens aufwirft, macht dieses Buch geradezu zur Pflichtlektüre.
Es geht um den Regisseur Georg Wilhelm Pabst und den Romananfang 1934 in Hollywood fand ich zunächst verwirrend. Der Leser erfährt darin, dass der Regisseur bekannter Stummfilme in Amerika schon aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht wird reüssieren können. Er wirkt neben seiner schönen Frau und längst in den USA erfolgreichen Kollegen wie Billy Wilder wenig geschickt und unbeweglich. So fällt der Film, den Pabst in Hollywood dreht, durch und keiner will mehr mit ihm arbeiten. Dennoch will er nicht ins Deutsche Reich zurück.
Dann erkrankt seine Mutter und ruft ihn zurück nach Österreich. Er wird ins Reichspropagandaministerium berufen und es kommt zu einer spektakulären Begegnung mit Goebbels. Pabst ist ab dann in einer Zwickmühle: Der einst „rote Pabst“ dreht mit Geld des Naziregimes Propagandafilme und versucht, sich als nur am Film interessierter, apolitischer Künstler zu positionieren. Die Schilderung der Zusammenarbeit mit Leni Riefenstahl und eine unvergessliche Szene nahe Prag gegen Kriegsende machen das Buch sehr lesenswert, auch wenn einige Passagen im Roman etwas unsortiert und störend wirken.
Obwohl die Kritik zu Kehlmanns Buch nicht euphorisch war, kann ich in der Figur des Regisseurs Pabst viel lesen zur Rolle des Künstlers in einem totalitären Regime. Es geht im Grunde um Gewissensfragen, Korruption und Mitläufertum in chaotischen Verhältnissen. Für mich ist das alles ziemlich großes Kino und damit auf jeden Fall empfehlenswert.
(30.05.2025)