Der Begriff "Mobbing" wird sehr häufig und nicht trennscharf verwendet. Gemeint ist damit das Beleidigen, Ausgrenzen und Fertigmachen von meist jungen Menschen, die sich noch nicht wehren können. Eine solche Situation stellt der Erfolgsautor Saša Stanišić in seinem zweiten Kinder- und Jugendbuch dar, das in einem Ferienlager im Wald spielt und 2024 den Jugendliteraturpreis erhielt.
Einerseits geht es hier um Kemi, der als Hauptfigur und Erzähler zunächst überhaupt keine Lust hat, Ferientage im Wald mit anderen Kindern zu verbringen. Er interessiert sich nicht für Natur, Gruppenerlebnisse und Zeit mit Kindern aus "normalen" Familien, in denen es Vater, Mutter und mehrere Kinder gibt. Er lebt allein mit seiner Mutter und versucht, mit coolen Sprüchen seine Unsicherheit zu übertünchen.
Andererseits geht es um Jörg, der vielen als Sonderling gilt und mit dem niemand etwas zu tun haben will. Er ist begeisterter Wanderer, liebt die Natur und ist blitzschnell mit seinem Zauberwürfel. Jörg hat auch keine "richtige" Familie, sondern lebt mit seinem Vater. Natürlich kommt es, wie es kommen muss, und Kemi und Jörg landen im selben Schlafraum. Je länger die beiden ihre Unterkunft teilen, desto mehr denkt Kemi darüber nach, wieso Jörg von den anderen Kinders derart unfair behandelt und gerade dadurch "andersiger" gemacht wird. Die beiden Jungen lernen sich kennen und Kemi versteht im Laufe der Tage nicht nur Jörg besser, sondern zieht auch Parallelen von ihm zu sich selbst.
Obwohl Mobbing sicher kein amüsantes Thema ist, beschreibt Stanišić die Woche im Wald so witzig und originell, dass ich beim Lesen aus dem Lachen nicht herausgekommen bin. Auch nachts passiert einiges im Lager, zumindest in Kemis und Jörgs Unterkunft. Und hier kommt der Titel ins Spiel. Aber ich will nicht zu viel verraten, sondern kann diesen von Regina Kehn phantasievoll illustrierten Roman über Andersartigkeit und Isolation, aber auch über Verständnis und Freundschaft Jugendlichen wie Erwachsenen nur wärmstens empfehlen.
(29.08.2025)