Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ging es immer wieder um künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf die Literatur, aber auch auf das Leben der Menschen untereinander. So scheint es mir passend, heute mit "Klara und die Sonne" einen Roman zur Entwicklung künstlicher Intelligenz vorzustellen. Der bekannte japanische Autor Ishiguro legte dieses dystopische Werk als erstes Buch nach seinem Literatur-Nobelpreis vor und erhielt schon deshalb viel Aufmerksamkeit dafür.
Der über weite Strecken verstörende Roman war ursprünglich als Kinderbuch konzipiert. Die Hauptfigur Klara, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, ist eine künstliche Intelligenz. Sie nimmt die Perspektive eines Kindes ein und ist die einzige Figur im Roman, die sich ihren Optimismus bewahrt. Klara wurde geschaffen, um genetisch veränderte Kinder und Jugendliche beim Erwachsenwerden zu begleiten. Das Mädchen Josie wählt Klara aus und nimmt sie mit nach Hause. Dort kann Klara nun die Menschen aus der Nähe betrachten, die sie zuvor nur durch das Schaufenster ihres Ladens beobachten konnte.
Die Atmosphäre im Buch ist seltsam kalt und gefühlsarm. Viele Gespräche laufe ins Leere und die Figuren wirken einsam und isoliert. Auch sprachlich wird dem Leser eher Tristesse geboten, so dass insgesamt nur gedämpftes Lesevergnügen bei mir aufkam. Dennoch bleibt die Frage, ob die Welt irgendwann so sein könnte und der Optimierungswahn der Menschen zu solchen Zuständen führen könnte. Wahrscheinlich hat diese Grundsatzfrage zur großen Bekanntheit des Buches geführt und macht es eben doch interessant.
(31.10.2025)