Tara Westover, Befreit: Wie Bildung mir die Welt erschloss (2019)
It's the education, stupid!
Für die meisten Europäer ist die Idee, seine Kinder zu Hause selbst zu unterrichten, sehr befremdlich. Dabei ist das sogenannte "homeschooling" in den USA - vor allem seit der Pandemie - keine Randerscheinung, sondern für über 10% der amerikanischen Schülerschaft gelebte Normalität. Die Eltern melden ihre Kinder dann von der Schule ab und nehmen den Unterricht selbst in die Hand. Tara Westover, die 1986 in Idaho geboren wurde und die ersten 17 Jahre ihres Lebens zu Hause verbrachte, erzählt in ihrem ersten Buch ihre Bildungsgeschichte, die fast aus dem Stand zum New York Times Bestseller wurde. Dem europäischen Leser vergeht dabei Hören und Sehen.
Tara wächst in einer großen Familie mit einem starken, alles bestimmenden Vater auf. Die zahlreichen Kinder haben keine Geburtsurkunden, werden nicht ärztlich versorgt und müssen auf einem Schrottplatz mithelfen, weil das Geld immer knapp ist. Für das offizielle System sind sie nicht sichtbar und die fundamentalistischen Eltern verweigern sich jedem Eingriff von außen. Der Vater entscheidet, was seine Kinder erfahren sollen, und verdreht dabei geschichtliche und politische Zusammenhänge. Die Mutter ist Hebamme und behandelt auch schwerste Verletzungen mit Kräutern. Impfungen sind ebenso verpönt wie Medien, so dass die Familie ein fast völlig abgeschiedenes Leben in den Bergen führt.
"Befreit" beschreibt, wie die intelligente Tara es als Teenager schafft, sich von ihrer Familie abzulösen, indem sie sich auf die Aufnahmeprüfung für das College vorbereitet und dann eine erfolgreiche akademische Karriere absolviert. Bildung ist die Basis, auf der Taras Selbstfindung und Entwicklung stattfinden. Sie wächst über sich hinaus, indem sie sich mit großem Wissensdurst die Welt erschließt.
Wenn je in Frage gestellt wurde, dass Bildung der Schlüssel zu persönlichem Erfolg ist, dann ist spätestens diese über weite Strecken unfassbare Bildungsbiografie der beste Beweis.
((14.11.2025)