In der seltsamen Zeit, die wir gerade durchleben, gibt es viel Kurioses. Dazu gehört für mich, dass über Wochen weder Mehl noch Brotbackmischungen zu bekommen waren. Dass Brotbacken ein Modethema ist, war mir klar, aber dass derart viele Menschen Mehl horten, brachte mich dazu, ein besonderes Buch aus meinem Schrank zu holen. Es geht in diesem Buch um viel, viel mehr als Backrezepte, so dass ich es hier heute gerne vorstelle.

Martina Goernemann ist Journalistin in München. Sie kommt ursprünglich vom Fernsehen, hat mittlerweile sieben erfolgreiche Bücher geschrieben und betreibt einen sehr beliebten Blog. Als sie 2018 ihr Buch über Sauerteig schrieb, recherchierte sie in mehreren europäischen Ländern und den USA. Das Buch gehört zu den eher wenigen Veröffentlichungen in diesem Bereich, die gleichzeitig auf dem deutschen und amerikanischen Markt erscheinen. Der Verlag erkannte das Potenzial des Themas für die USA und gerade in diesen Zeiten kommt das Thema besonders gut an, wie ein Blick in die New York Times in diesem April beweist.

Das für mich Interessanteste an diesem Buch sind die Lebensgeschichten derjenigen, die ihre Rezepte vorstellen: mehr Umbruch und radikale Neuorientierung sind kaum denkbar. Exemplarisch sei hier die Geschichte einer begabten italienischen Wissenschaftlerin vorgestellt, die aus einem sehr leistungsorientierten Elternhaus stammend zunächst ein Doppelstudium absolvierte und anstrengende Arbeitsjahre in Rom und Stockholm verbrachte. Nach langer Zeit äußerster Erschöpfung entschied sie sich irgendwann, die Wissenschaft zu verlassen und ihrer eigentlichen Berufung, dem Backen, zu folgen. Der Wechsel von der Welt der Wissenschaft in die des Handwerks ist ihr gelungen und ihre Bäckerei in Stockholm läuft gut. Wer ihre Geschichte liest und die erstklassigen Fotos betrachtet, die das ganze Buch illustrieren, erkennt, wie gut ihr diese mutige Entscheidung bekommen ist.

(24.04.2020)