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Leseempfehlungen

Ich tausche mich gerne über Bücher aus, empfehle Titel und nehme Empfehlungen anderer auf. Als ich vor Jahren mit meiner Arbeit zur Lese-Rechtschreibschwäche begann, entstand gleichzeitig mein Bücherblog „Das Freitagsbuch“. In loser Folge stelle ich seitdem an Freitagen hier ein Buch vor: einen Roman oder ein Fachbuch für Erwachsene und ab und zu auch für junge Leser. Ich biete eine große Bandbreite an und folge dabei meinem persönlichen Bewertungssystem von "6 Bücher" für "einfach wunderbar" bis zu "1 Buch" für "lieber etwas anderes lesen".

  • Krankheit
  • Begegnung
  • Tod
  • Genie

Robert Seethaler, Der letzte Satz (2020)

Bilanz ziehen

Wenn der Welttag des Buches auf einen Freitag fällt, der zudem in meinen zweiwöchentlichen Rhythmus passt, dann sind das gleich zwei gute Gründe, hier ein Buch vorzustellen und mit ihm auf eine Reise zu gehen, eine Schiffsreise, um genau zu sein. Alle sprechen derzeit intensiv über Krankheiten, so dass ein Griff nach diesem kurzen Roman naheliegend ist. Schließlich geht es hier um den herzkranken Gustav Mahler, der 1910 auf einer Überfahrt von New York nach Europa aufs Meer blickt und zwischen Fieberschüben über sein Leben nachsinnt. 

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  • Krise
  • Krankheit
  • Entscheidung
  • Flucht

Laetitia Colombani, Der Zopf / La Tresse (2017)

Haben Haare doch etwas mit Würde zu tun?

Seit einem Jahr ist vieles anders, auch die Wahrnehmung des Friseurhandwerks in der Öffentlichkeit. Jedenfalls wird sehr viel darüber gesprochen und so wurden die Friseursalons noch vor den Schulen wiedereröffnet. Die Begründung, die ausgerechnet ein männlicher Politiker dafür vorbrachte, war, Haare hätten nicht nur mit Hygiene, sondern auch mit Würde zu tun. Das schien mir zunächst sehr übertrieben, doch dann fiel mir der Roman "Der Zopf" wieder ein, ein Debütroman, der in Windeseile zu einem internationalen Riesenerfolg und in fast 30 Sprachen übersetzt wurde. So kam ich dazu, dieses Buch zu lesen, in dem die Autorin Laetitia Colombani in drei Geschichten zeigt, dass Haare tatsächlich eine ganz große Rolle spielen können, z.B. wenn sie durch eine Chemotherapie ausfallen oder in einem Tempel geopfert werden.

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  • Unfall
  • Schuld
  • Medizin
  • Gewissen

Ayelet Gundar-Goshen, Löwen wecken (2014)

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und alles droht ins Wanken zu geraten

Israel ist derzeit durch seine effiziente Impfkampagne in aller Munde und viele richten den Blick auf dieses kleine Land mit seinem modernen Gesundheitssystem. So fiel mir dieser Roman auf, dessen Protagonist Etan Grien ein israelischer Neurochirurg ist. Er fährt nach einem langen Tag in der Klinik eines Nachts einen Mann aus Eritrea an. Dieser illegale Einwanderer wird sterben, wie Etan mit geübtem Blick sofort sieht, und keiner hat den nächtlichen Unfall beobachtet - zumindest scheint es so. Etan begeht Fahrerflucht, doch am nächsten Morgen steht die Frau des Eritreers vor seiner Tür und erpresst ihn. Er soll nachts Flüchtlinge in einer alten Werkstatt medizinisch versorgen oder sie wird seine Tat anzeigen. Etans Leben droht aus den Fugen zu geraten. 

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  • Krankheit
  • Hoffnung
  • Angst

Ralf Rothmann, Hotel der Schlaflosen: Erzählungen (2020)

Elf Arten Angst

Auch nach einem Jahr Corona sprechen viele Menschen davon, dass sie Angst haben: Angst vor Ansteckung, vor wirtschaftlichen Verlusten oder immer neuen Mutationen mit unabsehbaren Auswirkungen auf unseren Alltag. Da fiel mir neulich dieser Erzählband von Ralf Rothmann zum Thema Angst in die Hände.

Diese Geschichten lassen den Leser nicht kalt. Sie gehen unter die Haut, gerade weil wohl jeder das Gefühl der Angst kennt, ob aus Kindertagen oder aus Ausnahmesituationen im Erwachsenenleben. Rothmann gelingt es, elf verschiedene Ängste so zu beschreiben, dass sofort spürbar ist, was die betroffenen Personen durchmachen. Dabei spannt er den Bogen von der Stalinzeit in der besonders erschütternden Titelgeschichte bis zur Jetztzeit.

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  • Kindheit
  • Freundschaft
  • Vater
  • Schulfreunde

Paul Maar, Wie alles kam: Roman meiner Kindheit (2020)

Das Beste ist der Schlusssatz

Ein Jahr Pandemie - man würde meinen, ein Jahr voller Lesen. Das kann man aber so generell nicht festhalten, da das vergangene Buchjahr nicht einfach zu analysieren ist. Klar ist jedoch, dass erheblich mehr Kinder- und Jugendbücher gekauft wurden als sonst: Im Jahr 2020 wurden 4,9% mehr Bücher in diesem Segment gekauft. Ein Grund mehr, sich hier einmal einem der beliebtestesn und bekanntesten Autoren dieses Bereichs zuzuwenden, Paul Maar. Vor wenigen Monaten erschien die Geschichte seiner Kindheit und das Buch wurde allgemein wohlwollend aufgenommen, was mich zunächst sehr verwundert hat. Selten habe ich ein Buch eines so bekannten Autoren gelesen, das derart schlicht geschrieben ist und eine Geschichte erzählt, die so typisch ist für eine ganze Generation.

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Dr. Susanne Eichholz, Frankfurt
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